Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2420973-2420983-2420985--1106-2422129- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
144 Umschau. in zahlreichen Exemplaren verbreitet wird: vor einem solchen Werke kann man das Auge nicht verschließen, mag man darüber urtheilen wie man wolle. Ja, es ist Pflicht einer Zeitschrift, die ihrem Berufe treu Nachkommen will, irgendwie darüber sich auszusprechen. Sie selbst haben, wenn auch blos tadelnd, über frühere Bände Ihr Urtheil abgegeben, Sie haben früher eine warnende Stimme in Steinschneidert ״hebräischer Bibliographie" und in der ״Zeitschrift der Deutschen morgenländischen Gesellschaft" erhoben. Aber seitdem Ihre ״Jüdische Zeitschrift" erscheint, ist schon mancher Band der Grätz'- schen Geschichte an's Licht getreten, und wir haben Nichts darüber vernommen. Frankel nahm in seine Monatsschrift Bemerkungen auf über den Zuerst erschienenen vierten Band; über den darauffolgenden dritten begann im I. 1857 eine Recension, deren Fortsetzung, zwar versprochen, noch heute vergebens erwartet wird, und die späteren fünf Bände — existiren gar nicht. Darf ich Ihnen offen sagen, was ich darüber denke? Frankel steht der Verfasser zu nahe und dennoch sehr fern, Ihnen steht er zu fern und doch wieder nahe. Das klingt orakelhaft, ich will mich näher erklären. Gr. ist Fr.'s College am Seminar, aber der ganze Ton, der in der Geschichte angeschlagen wird, ist, wenn ich nicht irre, Fr. gründlich zuwider. Diese ״Stockthalmudisten", die ״duselnden Kabbalisten", der unlogische Jakob ben Ascher mit seinem verworrenen ״Arba Turim" — Frankel konnte einmal darüber einen gelegentlichen Stoßseufzer nicht unterdrücken —, und nun gar der geckenhaft eitle, bornirte Joseph Karo mit seinem wurmstichigen ״gedeckten Tische" voll schimmeliger Spersen: nein, das ist zu arg! Wären nicht die Rücksichten mancherlei Art maßgebend, es würde sicher an einer ernsten Zurechtweisung von Seiten Fr.'s nicht fehlen. Nun aber — ist man still. Umgekehrt denke ich es mir bei Ihnen. Gr. hat sich gehässig gegen Sie benommen; auch seine ganze schriftstellerische Manier mag Ihnen nicht Zusagen. Dennoch erfreut es Sie sicher, daß ernste Geschichtsstudien in ihm den Muth der Wahrheit erwecken, Sie begegnen sich vielfach in Ihren Ansichten. Sie sind zu ehrlich, um blos die Schattenseiten hervorzuheben, Sie fühlen sich nicht dazu aufgelegt, selbst ein beschränktes Lob auszusprechen und — Sie schweigen. Fast besorge ich, Sie zürnen meiner Offenheit, und doch unterdrücke ich diese Besorgniß. Ich kenne Sie zu gut, als.daß