Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Umschau. ergeht? Nun, Sie wissen ja, ich bin wahrheitsliebend, aber nicht unartig. Grundverschieden sind beide Zeitschriften und dennoch scheinen sie seltsamer Weise in einem Punkte die schwesterlichste Eintracht zu bewahren. Beide Zeitschriften erkennen die Aufgabe an, auch als kritische Institute neu erscheinende Werke zu beurtheilen, und es gehört Dies gewiß mit zu den wesentlichen Attributen einer Zeitschrift. Dennoch schweigen sie beide über manche neuere Schrift wie nach Verabredung, jedenfalls wie es scheint mit voller Absicht. Ich weiß es wohl, daß der enge Raum beider Zeitschriften nicht ausreicht, um die mächtig anschwellende Fluth unserer Literatur zu umfassen. Ja, ״die Thorah ist verglichen zu Wasser"; das Wort unserer Alten bewährt sich, wässerig ist unsere Literatur genug, und ich möchte Wohl lieber haben, daß der andere Spruch eine Wahrheit sei, der die Thorah zum Weine vergleicht. Ich würde gern den jungen gährenden und brausenden Wein trinken, der die alten Schläuche bersten macht; ich bin sicher, er würde mir keinen Kopfschmerz verursachen, ich würde mich gesund daran trinken. Ebenso würde ich den alten Wein wahrlich nicht verschmähen; er sollte mir Kraft und Begeisterung reichen. Aber leider ist unsere Literatur ein treues Mitglied des Mäßigkeitsbundes; Wasser und Nichts als Wasser. Sie haben in Ihrer ״Urschrift" eine zweite Auflage der Rechabiten entdeckt, die nach der Zerstörung des zweiten Tempels aus Frömmigkeit bloße ״Wassertrinker" waren. Wir stellen heutigen Tages, Gott sei's geklagt, eine dritte Auflage einer solchen Wassertrinker- Genossenschaft vor, aber wahrlich nicht aus Frömmigkeit, sondern aus purem Mangel an Wein. Jedoch darüber wollte ich ja nicht sprechen, ich will blos sagen, daß ich es beiden Zeitschriften nicht verarge, wenn sie nicht jede Wasserpflanze der mikroskopischen Betrachtung unterziehen. Gar manches neuere Werk beurtheilt man am Gelindesten, wohl auch am Gerechtesten, wenn man darüber schweigt und ihm seine Eintagsfliegen - Natur läßt; nachdem es eingeschläfert, geht es schnell in den ewigen Schlaf ein, es ruhe in Frieden. Weniger schon will es mir gefallen, wenn auch Werke, die mehr in die Gelehrsamkeit eingreifen, keine Beurtheilung finden. Was sollen denn die armen Liebhaber solchen Schriften gegenüber Francs Werth, und er gebeut: יוליך דזנאה לים הבללח. Der Grausame! Wie ist's aber doch möglich, eine solche Bermuthung zu hegen? . . .