Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Mechiltha und Sifre. 125 midraschischer Zusatz. Außerdem daß dieser Gedanke der alten Agadah fremd ist, beweist es der ungelenke Ausdruck קבס עליכם בליחה, und der Umstand, daß die Autoritäten die bekannten späten Midraschisten R. Juda und R. Nehemia (in Jalkut sogar: Nachman) sind! Mechiltha und Sifre verdienen, wie die bisherige Betrachtung hoffentlich nachgewiesen hat, eine recht ernste eingehende Be- Handlung; ein wissenschaftliches Studium des nachbiblischen Judenthums Wird in ihnen ein höchst bedeutendes, bis jetzt nicht genügend erkanntes Mittelglied finden. Die neuesten Herausgeber haben ihre Ausgaben, wenn sie auch nicht immer mit dem nöthigen ganz unbefangenen Blicke und dem vollen wissenschaftlichen Freimuthe ihre Aufgabe ausgeführt, mit sehr lehrreichen Bemerkungen, auch mit ernsten Ansätzen zur wissenschaftlichen Behandlung ausgestattet. Lesenswerth ist die Einleitung des Hrn. Weiß zur Mechiltha, sehr beachtenswerth eine Vermuthung daselbst (S. XVIII), daß in unfern Thalmuden, wo seltsamer Weise die Mechiltha nie mit Namen genannt, obgleich Vieles aus ihr entlehnt wird, während Sifra und Sifre mehrfach genannt worden, sie dennoch auch mit ihrem Namen vorkomme, aber nur verschrieben sei היילכתא für נלכילתא und an einer Stelle das Wort auch erhalten und auf unsere Schrift zu beziehen ist (vgl. Mischpatim 6. 20 S. 107 Anm. ק). Treffend erklärt ist der Ausdruck לא הרי (Bo c. 18 S. 28 Anm. 10). Einen Ansatz zu einer tiefer erfassenden Behandlung bietet die kurze Charakteristik Akiba's (Beschallach c. 6 S. 40 Anm. 2). Freilich bleibt noch Vieles zu wünschen und zu berichtigen übrig. Auf Vieles der Art ist schon hingewiesen worden; ich will hier nur noch die ganz falsche Schätzung des Onkelos-Thargums hervorheben. Dieses späte, in steifer Wörtlichkeit oft den Sinn opfernde Product ist wahrlich keine Quelle für ältere Baraitha's (Bo e. 6 S. 9 Anm. ל), sondern höchstens in einen unbestimmten Ausdruck gefaßt, um es mit Keinem zu verderben. Anderswo kürzt er das jerus. Tharg. ab, so daß der Sinn unklar wird und ihm keine Bedeutung beizulegen ist (gegen Bo 6. 15 S. 21 Anm. p). — Es wird serner hie und da über Dinge hinweggegangen, die vielleicht alten Thalmudisten ganz natürlich waren, für uns aber sehr lehrreich werden, indem sie uns die Stufe damaliger Spracherkenntniß klar machen. Wenn z. B. Mechiltha (Beschallach Ans. S. כדז) zu בחם (2 Mos. 13, 17) bemerkt: אלא נהרג nr אין נחום mit Berufung auf Ps. 77, 21. 78, 14, so herrscht hier die Besorgniß, man möchte