Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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106 II Mechiltha und Sifre. babylonische Gemara selbst, welche den Einfluß desselben zu würdigen weiß, einige Belege an (Chullin 49 a). Dieselben ließen sich vielfach vermehren, ich will blos auf einen Hinweisen. Wenn dem Priester 3 Mos. 21, 1 ff. die Verunreinigung durch eine Leiche untersagt wird und nur die nächsten Verwandten als Ausnahmen hingestellt werden, so ist der dabei gebrauchte Ausdruck לעפלא, er verunreinige sich, einer abweichenden Auffassung fähig. Es kann bedeuten, der Priester dürfe sich an der Leichenbestattung solch naher Anverwandter betheiligen, wenn er sich auch dadurch verunreinigt, aber ohne daß was ihm hiermit gestaltet ist, ihm auch zur Pflicht gemacht würde; es kann aber auch heißen, er m ü s s e sich an ihnen verunreinigen, es sei seine Schuldigkeit. Die erstere Auffassung vertritt Jsmael, die letztere Akiba, und die Gemara weiß von Fällen zu erzählen, wo Priester sich der Verunreinigung enthalten wollten und man sie dazu genöthigt habe: לד! יטבלא רשות דברי רבי ישמעאל רבי עקיבא אונלד חרבה (Sotah 3 a vgl. Sebachim 100 a). — Aus dieser Schule also ging die Grundlage dieser beiden Baraitha's hervor, und wenn sie auch spätere Zuthaten angenommen, so sind doch auch die alten Bestandtheile geblieben. Daher finden wir in ihnen eine große Anzahl von Discussionen zwischen Jsmael und Akiba, die in der Mischnah und ihren Dependentien nicht ausgenommen sind, indem dieselben einfach nach Akiba abgeschlossen haben, ohne einer abweichenden Meinung zu gedenken. Selbst die beiden Gemaren, welche doch von einer großen Menge Baraitha's Gebrauch machen, wenn sie sie auch für die praktische Entscheidung nicht als maßgebend anerkennen, haben viele dieser abweichenden Meinungen zurückgelassen oder haben sie in umgestalteter Form, so daß unsere beiden Baraitha's die einzige Quelle dafür bleiben. Ebenso erfahren wir nur aus ihnen die Ansichten der Schüler Jsmaels, Joschiah und Jonathan, welche in der Mischnah gänzlich ignorirt, in den Gemaren jedenfalls mit geringerer Gunst als ihr Lehrer behandelt werden. Wenn nun die dissentirenden Ansichten in Mechiltha und Sifre vollständiger angeführt werden, so ist dies schon eine Bereicherung unserer Erkenntniß des halachischen Entwickelungsganges, allein es entsteht daraus kein Widerspruch mit der zur geltenden Praxis gelangten jüngeren Halachah, sobald auch diese in Mechiltha und Sifre gleichfalls Aufnahme gefunden hat. Aber Verwirrung entsteht, wenn diese sich ebenso auf die Aufnahme der älteren Halachah, mit Verschweigung der späteren