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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 2 (1866) · p. Seite 105

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
2 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 105 (sequence 25)
Language
German
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II. Mechiltha und Sifre. 105 scheinbar nicht entsprechender Ausdruck keine Verwirrung mehr erzeugen konnte. Der Schwerpunkt des jüdischen Lebens ward immer mehr in der Gesetzesübung gefunden, alles Andere trat in den Hintergrund. Aber gerade in dem gesetzlichen Theile, der Halachah, bereitet sich um jene Zeit, welcher die beiden Baraitha's ihre Grundläge, ihre wesentlichsten älteren Bestandtheile verdanken, nämlich die vormischnaitische Zeit in der Mitte des zweiten Jahrhunderts, ein bedeutender Umschwung vor, der dann erst seinen völligen Abschluß fand. Der alte Streit zwischen Sadducäern und Pharisäern hatte eine mächtige Einwirkung auf die ganze praktisch-religiöse Richtung; während jene das Priesterthum in den Vordergrund treten ließen, suchten diese dessen Ansehen und Vorrechte möglichst zu beschränken, hingegen dem ganzen Volke selbst Mittel darzubieten, welche ihm die religiöse Weihe und Mitthätigkeit verschafften. Im Fortgange der Zeit drang der Pharisäismus immer siegreicher und mit immer größerer innerer Erstarkung vor, so daß in ihm selbst zwei Richtungen entstanden, die zwar im Principe einverstanden waren, aber in dessen Durchführung aus einander gingen, die wir von den beiden Schulen des Schammai und des Hillel an bis auf Akiba und seine Zeitgenossen herunter verfolgen können. Die neuere halachische Richtung unterscheidet sich meistens von der älteren dadurch, daß sie die von diesen angewendeten Grundsätze und Umdeutungen energischer, consequenter, selbstständiger verfolgt. Diese neue Schule fand, soweit wir es geschichtlich überschauen können, ihren ersten geistesstarken und entschiedenen wie auch durchdringenden Vertreter in Hillel, und ebenso wiederum in Akiba den Mann, welcher sie zur Abrundung und zum Abschlüsse brachte und deren Sieg vollständig durchführte. Mischnah, Thoßeftha und Sifra sind vollständig nach den Grundsätzen der neuen Richtung bearbeitet, sie verwischen oft selbst die Erinnerung an eine frühere von ihnen abweichende Meinung gänzlich, was namentlich von der Mischnah gilt. Anders verhält es sich mit Mechiltha und Sifre. Sie sind aus der Schule Jsmael's hervorgegangen. Jsmael aber, ein Zeitgenosse Akiba's, hatte wie mehrere andere damalige Gelehrte, z. B. Elieser ben Hhrkan, Joße der Galiläer u. A., nicht so entschieden mit der älteren Richtung gebrochen wie Dies sein kühner Gegner Akiba that; dabei war er Priester und mochte deren Vorrechte nicht so beschränken wie der demokratische Vertreter der Gleichberechtigung Aller, Akiba. Für dieses letztere Moment führt die

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