Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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104 II. Mechiltha und Sifre. Sie (P. Jithro 6. 1 S. 66) und Sifre (Deut. §.4 S. 66 a, §. 27 S. 71a) geben die eigenthümliche Deutung, daß ויואל 2 Mos. 1, 21 den Sinn von ״beschwören" habe, die uns auch von andern alten Uebersetzern aufbewahrt worden (vgl. diese Ztschr. Bd. I. S. 50 und Bd. IV S. 42 f.). Zu 18, 7 entscheidet sich die Mech. (das. S. 67) dahin, daß Moses vor Jithro sich verbeugt habe, da man seinen Schwiegervater zu ehren verpflichtet sei; diese Ansicht theilt freilich der Samaritaner nicht, der deßhalb geradezu in den Text setzt, Jithro habe sich vor Moses (לבמ1גדז) verbeugt. Die Lehre, welche die Mech. an diesen Vers anlehnt, wird sonst nirgends reproducirt, erst die späteren Casuisten nehmen sie wieder auf, suchen aber einen andern Beleg auf und kennen die Worte der Mech. gar nicht. Dies war Alles bereits Urschrift S. 372 kurz ausgeführt; auch Hr. W. macht auf Einzelnes davon aufmerksam. — Die Auffassung, daß mit den Worten ״auf fernem Wege" (4 Mos. 9, 10) gesagt werden solle, wenn der sich zum Passahfeste Anschickende sonstwie unrein sei, deuten andere Uebersetzer an, und drückt jerus. Tharg. deutlich aus; dasselbe thut Sifre(Num. Z. 69 S. 17 b f.), knüpft daran die Setzung des Punktes über das He in npn^ und fügt auch die übrigen mit Punkten versehenen Stellen nebst deren Deutung an (vgl. Urschrift S. 185 ff. und S. 257 f.). So folgt Sifre (Deut. Z. 301 S. 128 a) auch in der Umdeutung der Worte ״ein umher irrender Aramäer war mein Vater" (26, 5) alten darüber gegebenen Anleitungen (Urschr. S. 363 f.). Schon diese hier in Kürze zusammengestellten Erklärungen, denen sich gewiß noch manche ähnliche hinzufügen lassen, enthüllen uns den alten exegetisch - dogmatischen Standpunkt der beiden Baraitha's, welche im Einklänge mit andern alten Autoritäten stehen, auch zuweilen darauf ausgehen, das Bibelwort so zu deuten, daß daraus keine irrthümliche religiöse Annahme abgeleitet werden könne, ein Verfahren, das später wieder theilweise zu Gunsten der wörtlichen Treue verlassen wurde. Diese Umdeutungen hatten meistens ein dogmatisches oder historisches Interesse, und wenn man später von ihnen abgegangen, so geschah es nicht, weil man in seinen religiösen Annahmen abwich, man stimmte vielmehr in der Sache vollkommen mit den auch von Mechiltha und Sifre vertretenen Anschauungen überein, hielt es aber nicht mehr für nöthig, zu ihrer Befestigung Umdeutungen von Bibelstellen vorzunehmen, da man die religiösen Ueberzeugungen bereits so gesichert wußte, daß ein ihnen