Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Mechiltha und Sifre. 101 Sifre (Deuteron. Z. 281 S. 124 a.) Liest 24,17 mit dem jerusal. Thargum und den 70 auch in der ersten Vershälfte noch ואלבלכח; Dies sowohl als die dieser Lesart sich anschließende Ausdeutung der alten Halachah ist bereits Urschrift S. 473 erörtert. Hr. F. weist blos schüchtern auf das jer. Th. hin. — Wenn Sifre (das. §. 289 S. 125 b und 126 a) aus 7 ,25) לא אבד: יבנלי) herausdeutet, nur dann finde die Chalizahceremonie Statt, wenn dem Schwager sonst kein Hinderniß Zur Vollziehung der Schwagerehe im Wege steht, er sie nur aus eigenem Widerstreben nicht eingehen will, sie finde aber nicht Statt, wenn Gott nicht wolle, d. h. wenn die Ehe des Schwagers durch ein gesetzliches Hinderniß unmöglich sei, so las er sicher יבנלי wie die 70 (vielleicht auch Aquila), nicht בבלי:, wie Urschrift S. 437 ff. ausgeführt ist; Hr. Fr. geht stillschweigend daran vorüber. — Zu 32, 20 אראד! נלדז אחריתם sagt Sifre (§.J320 @. 137 a), wie unsere Ausgaben darbieten: אדע נלח (Jalkut בסופיחון (בסופם. Was diese nichtssagende Umschreibung soll, begreift man nicht, und was Hr. Fr. darüber sagt, hat keinen von ihnen vertriebenen Völker eingesetzt habe; da sie aber Gott nicht dienten, verließ er das ehemalige Heiligthum Silo und übergab sie ihren Feinden. Aber nachdem er so das alte Untaugliche zerstört, erwählte er nun Juda, den Tempel zu Jerusalem und David. Man darf da erwarten, daß der Dichter in der Darstellung, wie Gott das Vordavidische verworfen habe, nicht blos des früheren Heiligthums, Siloh (V. 60), Zelt Joseph's (V. 67), sondern auch des vordavidischen Herrschers, Saul's gedenken, wenigstens ihn andeuten werde. Nach unserer Lesart, wo er nach den Worten: ״er verschmähte das Zelt Josephs" die matte Tautologie hinzufügt: ״und den Stamm Esraim erwählte er nicht", geschieht Dies nicht. Wohl aber wenn wir dann lesen: und den Stamm Benjamin erwählte er nicht", d. h. die Erwählung Saul's, der diesem Stamme angehörte, zum Könige über ganz Israel war nicht dauernd, vielmehr verwarf er ihn bald wieder. So hat das zweite Glied, zwar parallel dem ersten, seinen selbstständigen bedeutsamen Inhalt. Es ist leicht erklärlich, wie spätere Abschreiber theils die Beziehung aus Saul mißverstehend und durch den leichteren Parallelismus verführt, ״Esraim" statt ״Benjamin" setzten, theils auch etwa im Gedanken, daß doch Benjamin mit Juda zu einem Reiche sich vereinigt hatte, selbst Jerusalem eigentlich in dessen Gebiete lag, eine Schmähung desselben scheuten, während Esraim als Name für das Reich Israel und die späteren Samaritaner keiner Beachtung bedurfte. Der Dichter aber hatte die vordavidische Zeit im Auge. Daß Spätere irrthümlich ,,Esraim" in ״Benjamin" corrigirt hätten, ist undenkbar, und so empfiehlt sich die Lesart, wie wir sie in Sifre vor uns haben, in hohem Maße. Die Stellung Beujamin's in der h. Sch. und namentlich zu Joseph und Juda verdient noch sehr eine kritisch-historische Beleuchtung.