Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Mechiltha und Sifre. 99 jenen Zeiten, in welchen man von einer innern Entwickelung keine Ahnung hatte, die Annahme einer solchen als die schwerste Versündigung gegen die einzig berechtigte Autorität der babyl. Gem. betrachtet hätte, mußte man jene früheren Werke, in denen so seitsame, den recipirten Annahmen so widersprechende Aussprüche sich fanden, als entstellt, fehlerhaft betrachten, und man ließ sie bei Seite liegen, Zum großen Glücke für die Wissenschaft, da man sie sonst, wie es später Elia Wilna that, angeblich berichtigt, d. h. nach der babyl. Gem. zugeschnitten und uns damit eines Einblicks in den Entwickelungsgang beraubt hätte. Ueber die richtige Auffassung gab ich schon Andeutungen in dem Aufsatze über ״das Verhältniß des natürlichen Schriftsinnes zur thalmudischen Schriftdeutung (Wissensch. Zeitschrift u. s. w. Bd. V), in meinem Lesebuche aus der Mischnah, in Aufsätzen des Kerem Chemed IX und Ozar nechmad I; die volle Bedeutung namentlich von Mechiltha und Sifre glaube ich in meiner ״Urschrift" und den ihr sich anschließenden Arbeiten mit aller Entschiedenheit hervorgehoben zu haben. Mechiltha und Sifre wie das mit ihnen eng verwandte ״jerusalemische Thargum" zum Pentateuche enthalten neben Zusätzen spätererHand eine große Menge alter Bestandtheile, welche eine ältere hal achischeRichtung repräsentiren, diebereits von Mischnah, Sifra und Thoßeftha und noch mehr von den Gemaren verlassen ist, die uns aber die bedeutendsten geschichtlichen Momente enthüllt. Es ist ein Verdienst der neuen Ausgaben von Weiß und Friedmann, daß sie mit einer gewissen Ahnung von dieser Wahrheit die Werke commentiren; freilich ist das Verfahren der wackern thalmudisch gelehrten Herausgeber noch ein sehr unsicheres, sei es daß ihnen diese Erkenntniß erst im Dämmerschein aufgegangen oder daß sie zu ängstlich sind, vor dem Publicum der Thalmudisten, dem doch diese Ausgaben dargebracht werden sollen, mit der vollen Wahrheit hervorzutreten. Man wird nimmer zum richtigen Verständnisse der beiden Baraitha's gelangen, wenn man nicht in der Ueberzeugung sich befestigt, daß dieselben in der Bibel alte Lesarten vor sich halten, welche auch durch die alten Uebersetzungen bezeugt werden; will man Dies nicht zugeben, so ist man gezwungen ihren Sinn zu verdrehen. So hat die Mechiltha (Parasch. Amalek e. 1, S. 7 *