Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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98 II. Mechiltha und Sifre. als für die Zukunft, ״die Messiaszeit", von so großer Bedeutung erschien, dessen Studium als so hochverdienstlich galt, erfreute sich einer etwas größeren Beachtung. Fast vergessen waren Mechiltha und Sifre; die zweite Ausgabe, welche von ihnen erschien, ist mit geringer Sachkenntniß bearbeitet. Erst aus der Schule Elia's aus Wilna, jenes umfassenden, mit einem gewissen kritischen Blicke begabten Gelehrten, erstanden Einige, die diese Werke wie die Thoßeftha nach seiner Anleitung bearbeiteten; allein ihm folgend, fanden sie in der babylonischen Gemara immer ihren Regulator, corrigirten und deuteten die Aussprüche, um sie mit dieser in Einklang zu bringen. Sonst bleiben selbst die kundigsten, mit einem gewissen wissenschaftlichen Jnstincte begabten Gelehrten mit diesen Werken ziemlich unbekannt. Ein Mann z. B. wie Jesaias Berliner, der für Lexikalisches, für kritische Vergleichung der verschiedenen Stellen den offensten Sinn hatte und von dem das ganze Gebiet durchwandert und ebenso angeeignet worden, kennt alle diese Werke so gut wie gar nicht. Bei dem beengten Blicke dieser Zeit war Dies natürlich; wie Omar von der Bibliothek zu Alexandrien in Beziehung zum Koran, so urtheilten sie über diese Werke in Beziehung auf die allein für die praktische Entscheidung maßgebend, fast kanonisch gewordene babylonische Gemara: entweder steht in ihr, was jene Bücher enthalten, dann braucht man sie nicht, oder es findet sich nicht in ihr, dann taugt es nicht. Erst in neuerer Zeit, als der gelehrte Sinn wieder erstand und die Kritik erwachte, da begann man den Blick auch den so arg vernachlässigten Schriften zuzuwenden; aber dennoch war es mehr ein literarisches Verlangen, ein Eingehen auf Geschichtliches und sonstige hagadische Bestandtheile, welches zu ihnen führte: ihr tieferer Kern blieb weiter eingehüllt. Noch in neuerer Zeit mußte man von einem Manne, der gerade das halachische Gebiet mit Gelehrsamkeit zu umfassen und zu behandein als seine Aufgabe hinstellte, das Urtheil vernehmen, daß was aus Mechiltha und Sifre nicht in der babylonischen Gemara Aufnähme gefunden, apokryph sei. Dieses Urtheil klingt gerade so, wie wenn man in der Rechtswissenschaft sagen wollte, Gajus und Ulpian seien apokryph, weil sie nicht in Allem mit dem Corpus juris übereinstimmen! Denn ein ähnliches Verhältniß wallet zwischen den früheren Werken und der babylon. Gemara, und dieser Umstand gerade ist es, der ihnen früher die Beachtung entzog; in