Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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96 I Zur gegenwärtigen Lage. die Sache eingehenden Kampfe zu bringen, sie enthält sich einer jeden eingehenden Forschung. Die Worte, welche einst Abraham ben David von den Karäern gebrauchte, passen vollkommen und in weit höherem Maße aus die heutige Neu - Orthodoxie; das ist das Schicksal jeder veralteten Richtung, wenn sie sich auch zu neuem Leben aufbläht. So mögen wir getrost der Zukunft entgegengehen, wenn wir ihr nur auch nach Kräften die Wege bahnen. Wissenschaft und Fortschritt im Leben werden bald ihre dringendsten gesteigerten Ansprüche geltend machen. Unsere ernste Aufgabe ist es, unbeirrt durch augenblickliche Trübungen und Hemmungen, Leben und Wissenschaft so vorzubereiten, daß die nahe Zukunft daran haltbare Anknüpfungspunkte findet. Wer das Judenthum, seine Geschichte wahrhaft liebt, seinen fortdauernden Einfluß, seine Geltung in dem geistigen Entwickelungsgange der Menschheit verlangt, knüpft seine Bestrebungen nicht an das zeitlich Obenschwimmende und dennoch nothwendig bald Verschwindende, er pflegt das Ewige, geht ein in das Gesetz des Fortschritts und unverzagt mag er ausrufen: der Sieg ist dennoch unser! 16. April. II. Mechiltha und Lifte. Mit Rücksicht auf die neuen Ausgaben dieser Werke, des Sifre durch M. Friedemann (Wien 1864) und der Mechiltha durch I. H. Weiß. (Wien 1865). Das Thalmudstudium hat bis vor Kurzem fast ausschließlich die Mischnah mit der babylonischen Gemara beachtet; alles Andere wurde entweder als von dieser babyl. Gemara in erschöpfender Weise ausgenommen, daher als überflüssig, oder als in unreifer Form auf uns gelangt, daher incorrect und jedenfalls nicht maßgebend betrachtet. Die größten Thalmudisten waren wenig mit der jerusalemischen Gemara bekannt; Toßeftha und Sifra, und gar Mechiltha und Sifre waren ihnen meistens fremde Gebiete. Ein Mann freilich wie Nathan ben Jechiel, der den Wort- Vorrath des ganzen thalmudischen und midraschischen Gebietes zu-