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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 2 (1866) · p. Seite 91

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
2 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
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1. Zur gegenwärtigen Lage. 91 Sinne begünstigte Parteigestaltung, die auffälliger und entschiedener dem Zeitbewußtsein widerstrebt. Der Conservatismus will die Wirkungen der gegenwärtigen Zeitrichtung nicht zugeben, nicht fördern, aber er läßt sich in keinen ernsten Kampf gegen sie selbst ein; er hegt sie sogar theoretisch, will Altes und Neues gleichmäßig pflegen, versöhnen. Aber unter solchen Zuständen bildet sich auch immer eine Partei, die, erschreckt von den starken umgestaltenden Zumuthungen, enger sich um das Banner des Bestehenden schaart. Ein jedes organisches Leben setzt in seinem Selbsterhaltungstriebe der Berührung, welche seiner angenommenen Bildung Gefahr droht, energischen Widerstand entgegen. Dieser wird freilich feine der Verwesung nahen Gestaltungen nicht retten können, wird nur die innere Lebenskraft wach rufen und stärker zu gesunden Neubildungen anregen; dennoch wird der durch den Angriff gesteigerte Trieb der Selbsterhaltung zunächst gerade denjenigen Theilen Schutz gewähren wollen, welche im ruhigen Verlaufe von selbst abgefallen wären, wird ihnen für kurze Zeit ein neues scheinbares Leben einhauchen, um dann freilich erschöpft sich gänzlich zurückzuziehen und nothgedrungen die abgelebten Stücke dennoch Preiszugeben. Diese Reaction tritt gleichmäßig auch im Lebensprocesse geschichtlicher Organismen ein. Wenn neue Ideen geschlossene bürgerliche oder religiöse Gesammtheiten in ihrer bestehenden Gestalt erschüttern, so wird das in ihnen vorhandene gesunde Leben allerdings vorzugsweise mit Wegwerfung des Ueberlebten zu Neubildungen Hintreiben, die aus der innersten unverletzten Kraft erwachsen und die Lebensfähigkeit erhöhen. Allein gewisse Gassen, die mit der bestehenden am Meisten bedrohten Gestaltung verwachsen sind, wollen auch diese nicht aufgeben, umfassen auch sie um so inniger, als ihnen die Gefahr in ihrer Größe, die Entwickelung in schneidender Raschheit sichtbar wird. Sie sind für eine so plötzliche Umgestaltung nicht vorbereitet und wollen die tüchtigen Lebenskräfte, welche ihrer Genossenschaft innewohnen, gerade zur Wahrung und Stärkung der schadhaften Außentheile verwenden. So wenig dieses Bemühen für die Dauer einen Erfolg haben kann, so sehr wird es doch in der ersten Zeit eine Kraftsülle und Hingebung aufwenden, die nicht aller Einwirkung entbehrt und den vorübergehenden Schein einer weit bedeutenderen Macht, als es in Wirklichkeit in sich trägt, annehmen. So heftete sich der Jesuitismus an die Fersen der Reformation, erstarkte die Legitimitäts-

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