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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 2 (1866) · p. Seite 90

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
2 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 90 (sequence 10)
Language
German
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90 I. Zur gegenwärtigen Lage. im Bewußtsein der Zeit stehend, sich an die noch zurückstehende Gestaltung des Judenthums anbequemen sollen, in einem Kampfe aber um den vollen wissenschaftlichen Ausdruck und die kräftige praktische Ausprägung der Wahrheit sich von jeder Ermuthigung und Unterstützung verlassen sehen. Nicht von dem Leben und seinen Bewegungen auf diesem Gebiete getragen, wenden sie ihre tüchtigen Kräfte anderen zu, auf welchen sie dieselben aufrichtiger und besser verwerthen können, und nicht mehr gehindert in der Wahl ihres Berufes, verlassen befähigte und redliche Jünglinge die beengende Atmosphäre, der sie sich anvertrauen sollen und die sie reinigen müßten, um in der freien Luft weiterer-Wissenshallen zu arbeiten. Ihre Stelle nehmen dann die mittelmäßigen, mattherzigen Geister ein, welche sich dem Bestehenden und dem stillen Gange der Dinge im besten Falle anbequemen, wenn sie nicht gar glauben sich ihm entgegenstemmen zu müssen. Es liegt schon in der Natur der Mittelmäßigkeit, dem Stande, in den man eintritt, nach der Vorgefundenen Form sich zäh anzuschließen; eine jede fortschreitende Gestaltung verlangt eine Kraftentwickelung, die sie scheut, reißt aus der Sicherheit heraus, welche ein fester Zustand darbietet, während die Bewegung einen innern Halt des Menschen erfordert, der ihm den Stützpunkt gewähre. So ist es natürlich, daß die trägeren Geister, wenn nicht die ganze Strömung sie mit sich fortreißt, einer fortleitenden Bewegung, die noch dazu von ihnen selbst ausgehen soll, gram sind, den Stillstand zärtlich hegen. Bei dem raschen Umschwünge aber ist die durch die Zeit gebotene, Wenn auch von den Genossen der Zeit im Augenblicke nicht dringend verlangte Umgestaltung eine so durchgreifende, daß auch manche Besseren ängstlich und unsicher werden und irgend ein Nachgeben gegen berechtigte Anforderungen scheuen, weil sie die unvermeidlichen weiteren Folgen kaum bis an ihr Ende zu verfolgen wagen. Das ist die Wurzel des Conservatismus. Allein ein solches Streben, Dinge zu erhalten, die ihre Lebenskraft eingebüßt haben, hat nichts Anderes zur Folge, als entweder den jähen vollständigen Umsturz derselben herbeizuführen oder daß mit um so schärferem und daher um so gefährlicherem Nachdrucke die eine Zeit lang verweigerten Concessionen unerbittlich erzwungen werden. Weiter noch als der Conservatismus geht eine andere aus dem raschen Umschwünge geborene oder durch ihn in gewissem

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