Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 2 (1866) · p. Seite 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
2 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2420973-2420983-2420985--1049-2422072
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I. Zur gegenwärtigen Lage. 87 Wickelungsgange mit dem raschen Umschwünge nicht gleichen Schritt halten, daher gänzliche Abwendung, Jndifferentismus. Dieses böse Wort führen wir schon lange klagend im Munde; es ist der erstarrende Frost, der jedes Wachsthum hindert, jede Triebkraft lähmt. Auch früher herrschte unter einer großen Anzahl von Gebildeten Mißachtung gegen das Judenthum, namentlich gegen dessen überkommene Gestalt; nur Wenige von ihnen versenkten sich liebevoll in seinen schöpferischen Geist und seine Geschichte. Auch sie unterschieden nicht sein wahres Wesen von den ihm aufgedrungenen Mißbildungen, erkannten nicht genügend, daß diese ablösbar seien, daß sie durch die Belebung der ewigen jüdischen Ideen, durch die naturgemäße geschichtliche Entwickelung eine angemessene Umbildung erfahren können und müssen. Sie führten deßhalb im Interesse des Fortschritts einen ernsten Kampf, der oft die Grenzen der Gerechtigkeit überschritt. Allein jedenfalls forderte dieser Kampf die volle ernste Betheiligung, und während für und wider hartnäckig und ausschreitend die Extreme einander entgegenstanden, mit einander um die eigene Herrschaft und die Niederlage des Gegners rangen, lenkte sich die Aufmerksamkeit mit aller Lebhaftigkeit auf die Gegenstände des Streites, und die ernsteren Geister drangen tiefer in die Untersuchung ein. Unsere ganze neuere jüdische Wissenschaft ist an diesem Kampfe herangereift; neben dem Geräusche des Tages, von ihm angeregt, haben die Denker und Kenner geprüft und abgewogen und sind zu geschichtlichen Resultaten gelangt, die den erhitzten Gemüthern die Friedenspalme darboten. Dieser Kampf mit seinen überwiegend wohlthätigen Folgen erhielt sich solange als zeitgemäße Bildung sich ihren Bestand und ihre Geltung noch zu erringen hatte; sie mußte die ihr entgegenstehende Macht abwehren, die Abwehr zum Angriffe gegen sie gestalten, um nicht erdrückt, nicht gehemmt zu werden. Sobald dieser Kampf siegreich durchgeführt ist, der Bildung in ihrer freien Bewegung keine sichtbare Gefahr mehr droht von Seiten confessioneller Engherzigkeit, hat er nachgelassen oder ganz aufgehört. Er hatte eine Zeit lang noch seine Nahrung in dem Bemühen um bürgerliche Gleichstellung. Man fühlte es, daß, soviele Vorwände für die Versagung derselben auch versucht wurden, diese doch wesentlich in dem Vorwiegen religiöser Vorurtheile außerhalb und innerhalb wurzelt, und man führte daher;bie Waffe nach Innen und nach Außen, soviel man es vermochte und wagte. So weckte und nährte der Kampf die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.