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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 2 (1866) · p. Seite 86

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
2 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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86 I. Zur gegenwärtigen Lage. daß sie nicht blos von den Männern entschiedenen Freimuthes gepflegt wird, sondern ihre Stätte findet bis herunter zu färblosen oder gar ״gefärbten" hebräisch geschriebenen Blättern. Das sind bedeutsame Symptome der Zeit; sie weisen auf die im tiefen Grunde gährenden Elemente hin, eröffnen einen Blick in die nahe Zukunft, die mit gesteigerter Lebhaftigkeit sich in jene grundlegenden Untersuchungen vertiefen wird. Eine neue Zeit gestaltet sich im Judenthum; das kann nicht bezweifelt werden. Sein tiefster Gehalt, seine ewigen Wahrheiten werden um so strahlender hervortreten, je mehr sie von den verdunkelnden, beengenden, entstellenden Hüllen befreit werden. Seine Lehre von der Einheit Gottes, seine gerechte Würdigung des Menschengeistes, dem es ebenso die Freiheit wie die Gebundenheit durch das umfassende Naturgesetz zuerkennt, seine Anforderung zur Erringung der Selbstheiligung, seine Anerkennung der gesummten Menschheit, deren Einigung es mit beseligendem Blicke als Geschichtsziel anschaut, seine Liefe Gesinnung, die dieses und Anderes nicht als eine theoretische Speculation erschließt, sondern als eine treibende Lebensmacht in sich voll empfindet, warm umfaßt, bethätigt, — sie sind eine ewige Menschheitsaufgabe, die umsomehr an Bedeutung gewinnt, als alle untergeordneten Fragen als geschichtlich verschwindend erscheinen. Diese Phase im Judenthum bricht heran, bricht heran in Bälde, wenn sie auch vielleicht nicht so rasch sichtbar ist, wie nun zu vermuthen wäre, nicht alsbald mit der Reinheit auftritt, in welcher man sie zu erwarten sich berechtigt glaubt. Der theilweise unvermittelte Umschwung hat Wirkungen in seinem Gefolge, die hemmend und trübend sein müssen. Erkennen wir dieselben jedoch in ihrer geschichtlichen Nothwendigkeit, so werden wir uns durch sie in unfern Aussichten nicht beirren, in unserm Streben nicht entmuthigen lassen. Solche Uebergangskrisen sind unvermeidlich, aber gefahrlos, wenn sie auch mit Mißbehagen erfüllen mögen, und um so weniger nachhaltig, je richtiger wir sie zu begreifen im Stande sind. Ein großes Uebel, welches sich an einen plötzlichen Umschwung der Zustände und Gesinnungen heftet, ist die Verkennung und Geringschätzung der werthvollen überkommenen Güter. Diese entsprechen in der mißgestalteten Form, welche die Unbill früherer Zeiten ihnen ausgeprägt, nicht der gegenwärtigen Bildungsstufe, sie können aber in ihrem langsameren innerlich gesetzmäßigen Ent-

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