Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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He-Chaluz. 77 fort, der jüngere Pharisäismus entfaltete sich immer selbstständiger, streifte frühere Annahmen, die vom Sadducäismus auf ihn übertragen waren, mehr ab, bis er selbst zum Abschlüsse gelangt, als alleinherrschend sich verfestigte, seiner eignen Entwickelung unbewußt, des Kampfes nicht mehr benöthigt, hie und da wieder zu veralteten Annahmen zurückkehrte. Sämmtliche schriftliche Documente aus der umfassenden thalmudischen Literatur gehören dem Pharisäismus an, ihr Abschluß — der Zeit, als die jüngere Richtung in diesem zur vollen Geltung gelangt war. Sowohl der Sadducäismus als auch die ältere pharisäische Richtung treten daher in diesen Schriften nur trümmerhast hervor und diese Trümmer selbst oft in einer sehr tendentiösen Färbung. Der Nachweis über diesen geschichtlichen Gang und seine eigenthümlichen Erscheinungen, wie er von mir umständlich geführt worden, kann hier nicht weiter auseinander gelegt werden, er ist ein schwieriger und er bedarf der Vervollständigung. Der Kampf zwischen Priesterthum und Heiligkeit des ganzen Volkes und den daraus resultirenden zwei verschiedenen religionsgesetzlichen Richtungen muß weiter hinauf verfolgt werden; er wurzelt bereits in der Differenz zwischen Israel und Juda und findet auch seinen Ausdruck in den jenem oder diesem zuzuweisenden biblischen Schriften.*) Für die nachbiblische Zeit müssen die aus ihr zugänglichen Werke noch genauer untersucht, den Spuren der überwundenen Richtung nachgeforscht und besonders die leitenden Grundsätze einzelner hervorragenden Persönlichkeiten schärfer erkannt werden. Bei der Schwierigkeit des Unternehmens und der Neuheit dieser geschichtlichen Auffassung ist es selbstverständlich, daß auch die bessern Kenner des Thalmudismus ängstlich und zögernd an die Zustimmung und an die Mitarbeit gingen und gehen. Dennoch dringt die Auffassung allmälig durch und findet ihre Anwendung fast unwillkürlich, wofür ich nur auf die neueren Bearbeitungen der Mechiltha und des Sifre durch Weiß und Friedmann verweise. Auch Schorr, unbefangen und kühn, das freisinnige Verfahren froh und mit Zustimmung begrüßend, nimmt noch Anstand voll und muthig den gleichen Weg zu beschreiten (Heft IV), und auch im *) Andeutungen über den Kampf zwischen Jsraelmsmns und Judaismus und über den Ausdruck, den diese Verschiedenheit in den einzelnen Schriften findet, habe ich gelegentlich in mehreren Abhandlungen der Ztschr. der D.-M.-G. gegeben, vgl. das. Bd. XIX. S. 003 ff. und die. Abhandlung über die gesetzlichen Differenzen zwischen Samaritanern und Juden in das. Bd.