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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 76

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 76 (sequence 77)
Language
German
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76 Recensioiien. schlossen hatte, und sosehr es auch weiter an ihnen zu halten durch religiöse Satzungstreue sich verpflichtet fühlte, dennoch in einen Gegensatz zu der herrschenden Partei treiben, umsomehr als diese bei allem priesterlichen Eifer doch dem die Oberherrschaft führenden ausländischen Volke gegenüber sich Nachgiebigkeiten zu Schulden kommen ließ, welche die ganze Grundlage des religiösen Volksthums zu erschüttern drohten. So bildete sich denn eine nationale Partei, welche die besondere Heiligkeit, die der Priesterstamm sich anmaßte, soweit das schriftliche Gesetz und die Verhältnisse es gestatteten, mit den aus ihr erzeugten Vorschriften auf das ganze Volk zu übertragen trachtete, religiöse, aber auch bürgerliche Mündigkeit anstrebte, daher Verwaltung und Gerichtswesen an sich zu ziehen suchte, einen selbstständigen Gelehrtenstand in sich heranzog, der, um die Forschung im Gesetze dem Volke zu Gute kommen zu lassen, die Vorschriften mit den Bedürfnissen des Lebens in Einklang zu bringen sich beeiferte. Die Aristokratie erhielt von dem herrschenden Priestergeschlechte den Namen Zadokiten, Sadducäer; es leitete nämlich Abstammung und Berechtigung ab von Zadok, der als ein begünstigter Priester am Tempel Salomos im Andenken der Nachwelt verehrt wurde und dessen Nachkommen als die allein Lreugebliebenen galten. Neben ihr bildeten nun aber die ״Abgesonderten, Nibdalim, Pharisäer" eine Gegenpartei, die, ohne dem Priesterthume seine unbestreitbaren Rechte verkümmern zu wollen, die Heiligkeit und Frömmigkeit, zugleich auch die Autonomie des ganzen Volkes vertraten. Zwei verschiedene Richtungen in der Ausbildung des jüdischen religionsgesetzlichen Lebens gestalteten sich nun neben einander, die sadducäische und pharisäische; da die Verschiedenheit in alle Lebensverhältnisse eingriff, war es natürlich, daß die pharisäische, als die Volkspartei, wenn auch langsam, doch immer vorschritt, die saddueäische sich ihr anbequemen mußte, die siegende Richtung aber, jemehr sie an Kraft gewann, auch zu entschiedenerer Consequenz vordrang. Diese größere Entschiedenheit macht sich besonders von Hillel an bemerklich, sie arbeitet sich durch bei dem Falle des Tempels und der Bedeutungslosigkeit, zu der nun Aristokratie und Pnesterschaft herabsinkt, wenn auch freilich dadurch sich theilweise eine Versöhnung der Parteien vollzog, zuerst als Zusammenschluß im Kampfe gegen das Ausland, zur Erhaltung der nationalen Selbstständigkeit und ihrer religiösen Güter, dann als gemeinsame Trauer und Sehnsucht nach Wiederherstellung der alten Zustände. Allein der gegebene Anstoß wirkte nothwendig

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