Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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He-Chaluz. 75 A.—, werden auf treffliche Weise durch Schorr, theilweise auch durch Abraham Krochmal beleuchtet. Durch dieselben wird auch Unleugbares zur richtigen Charakteristik vieler Thalmudlehrer beigebracht, namentlich auch über die Stellung, welche die Patriarchen, die Nachkommen Hillel's, jenes muthigen und bescheidenen Kämpfers gegen die Priester-Aristokratie, die nun aber selbst zu Aristokraten geworden waren, gegen die übrigen Lehrer und zur Abschließung der Halachah einnahmen. In die Mitte hinein trafen nun meine Untersuchungen über Sadducäer und Pharisäer, wie sie in ״Urschrift", und in sonstige Abhandlungen — eine solche auch in He- Chaluz VI — niedergelegt sind. Durch dieselben stellte sich heraus, daß auf gleicher Grundlage zwei abweichende, oft mit einander in harten Kampf tretende religionsgesetzliche Ausarbeitungen, Halachen, erwuchsen, deren eine, die jüngere, ihre ältere Schwester immer entschiedener verdrängte. Die neugewonnene geschichtliche Einsicht in den verwickelten Gang des Judenthums ist, kurz zusammengefaßt, folgende: Bei der Rückkehr aus dem babylonischen Exile bildeten sich die Institutionen des neuen jüdischen Staates, der sich zur politischen Selbstständigkeit nicht zu erheben vermochte und in der Herstellung eines religiösen Volksthums seine Aufgabe fand, naturgemäß in engster Anlehnung an Tempel und Priesterthum. Die Priester wurden die Aristokratie, die religiösen Träger, Inhaber der Gelehrsamkeit und der Herrschaft zugleich, sie leiteten Verwaltung und Gerichtswesen, sie waren die vorzugsweise staatlich und religiös Berechtigten. In engster Beziehung standen zu ihnen die übrigen Tempeldiener, namentlich die Leviten, wenn auch ihnen untergeordnet, und ebenso die vornehmen ׳judäischen Geschlechter. An diese Aristokratie schloß sich die eifrig nationale Partei an, die von der Unreinheit der Landesvölker ״sich Absondernden." Die priesterliche Aristokratie ließ sich, wie wiederum naturgemäß, die Aufrechthaltung ihrer Privilegien, die erweiterte Ausstattung des Tempels und der Priesterrechte, die Niederhaltung der übrigen Bevölkerung, eine zu immer größerer Strenge sich steigernde Ausbildung der auferlegten Gesetze — insofern diese nicht die besondere priesterliche Stammesheiligkeit betrafen, deren Uebertragung auf die Gesammtheit sie eifersüchtig abwehrten, — vorzugsweise angelegen sein; die Gelehrsamkeit wurde in ihrer Hand eine rein äußerliche, die Religion ein Mittel der Macht und des Einflusses. Das mußte natürlich das ernst nationale und religiöse Bürgerthum, so eng es vorher an Tempel und Priesterthum sich ange-