Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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72 Recensionen. zunächst ihre Entstehung und Verbreitung gefunden, ausgenommen und zu hohen Ehren gebracht. Den Glauben an die leibliche Auferstehung verdankt das Judenthum allerdings dem Parsismus, es hat ihn jedoch mehr im Sinne einer nationalen Wiedergeburt als der persönlichen Wiederbelebung gepflegt, und wiederum hat die Tochterreligion demselben, wie er in den Köpfen Überschwanglicher Enthusiasten trübe gährte, das Bürgerrecht eines herrschenden Dogma verliehen. So wäre dem biblischen Judenthume ein eingreifender Einfluß des Parsismus nicht nachzuweisen; seine gesetzlichen Vorschriften beruhen Wohl zum Theile auf Anschaungen, welche alle, namentlich die orientalischen Völker des Alterthums beherrschen; specifisch Parsisches wird kaum nachweisbar sein. Nun aber ist auch unsere Kunde von dem alten Parsismus noch sehr unsicher, die Schriften, welche von ihm Nachricht geben, noch nicht zur Genüge kritisch gesichtet, die Scheidung der ursprünglichen Bestandtheile von spätern Zusätzen, welche in allen alten Religionsbüchern in einander gemischt sind, noch nicht vollzogen, so daß die Zusammenstellung für die alte Zeit noch des urkundlichen Bodens ermangelt. Mit größerer Bestimmtheit läßt sich Dies für die nachbiblische Zeit unternehmen. Daß in der Zeit des zweiten Tempels von dem Untergange des altpersischen Reiches an irgend ein Einfluß der altpersischen Religion sich habe geltend machen können, ist jedoch kaum anzunehmen. Von da an werden Griechenthum und Römerthum mit einer ebenso an politischer Bedeutung wie an geistiger Bildung überwiegenden Macht herrschend und drängen das Perserthum auf den engsten Boden zurück. Selbst jene konnten eine tiefere Einwirkung nicht erlangen; der Alexandrinismus strebt eine Versöhnung des Judaismus mit griechischer Philosophie an, aber keineswegs mit griechischer Religion. Wie sollte nun dem verkümmerten Parsismus irgend ein Eindringen vergönnt worden sein? Wohl weilten noch viele Genossen des Judenthums in den altpersischen Ländern; aber daß die ״Babylonier" eine selbstständige oder gar maßgebende Richtung eingeschlagen hätten, die von der herrschenden Landesreligion beeinflußt worden, wäre eine durchaus willkürliche Annahme. Es sind einzelne aus ״Babylon" nach Palästina Eingewanderte hier zu großem Einflüsse gelangt; allein sie sind in dem Heimathlande der religiösen Entwickelung, in Palästina, zu großen Gesetzlehrern geworden, sie sind nicht als solche hereingekommen. Sie mögen frischer, naturwüchsiger gewesen sein, aber sicher nicht gelehr-