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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 71

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 71 (sequence 72)
Language
German
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71 He-Chaluz. Lungen verlockt zu werden, die vor der unbefangenen Prüfung nicht bestehen können. Die Thatsache ist unleugbar, daß nicht blos die anerkannt späten biblischen Schriften, zu denen auch der zweite Theil des Jesaias gehört, in der Zeit der politischen Abhängigkeit von den Persern geschrieben worden, sondern auch daß viele ältere, darunter gerade die wichtigsten Schriften gesetzlichen Inhalts, ihre Schlußredaction gleichfalls in dieser Zeit erst erhalten haben. Daß der Einfluß des Parsismus an diesen Schriften, überhaupt aber an dem damals erst zu einem festen Abschlüsse sich gestaltenden Judenthume nicht ganz spurlos vorübergegangen, läßt sich damit von vorn herein feststellen. Dennoch war das Bewußtsein der eigenen Verschiedenheit in den Juden viel Zu mächtig, als daß die Aufnahme wesentlicher Punkte bei ihnen erwartet werden dürfte. Wenn die Juden selbst politisch so gesondert blieben, daß eine Rückkehr nach dem verlassenen alten Heimathlande und die Wiederherstellung des erloschenen Volks- und Staatslebens möglich war — ein vereinzelt dastehendes Beispielen der Weltgeschichte —: so ward die geistige, namentlich religiöse Eigenthümlichkeit mit um so schärferem Bewußtsein und um so größerer Entschiedenheit festgehalten. Unwillkürliche Einwirkungen sollen und können deßhalb nicht in Abrede gestellt werden, allein sie erstrecken sich mehr auf Einzelnheiten, die im Grunde in der eigenen Anschauung bereits ihre Wurzel hatten und nur neue Nahrung, raschere Entfaltung von dort empfingen. In der That läßt sich auch eine wirksame Einprägung parsischer Anschauungen in das Judenthum nicht Nachweisen. Die Unbildlichkeit Gottes stand den Juden fest, und sie nahmen in diesem Punkte von den Persern Nichts an, sie hatten blos geringeren Kampf mit ihnen zu bestehen; ihren Monotheismus bewahrten sie streng gegenüber dem persischen Dualismus. Die Engellehre nahm nur eine geringfügige Ausbildung an aus dem reichen Himmelheere der Parsen; ob der Begriff des Satan seinen ganzen Ursprung erst aus dem Parsismus genommen, steht noch dahin. Jedenfalls ist der fast gleichberechtigt neben Ormuzd stehende Ahriman sehr degradirt, wenn er weiter Nichts als bald im Auftrage Gottes handelnder Hinderer und Versucher auftritt, bald mit seinen bösen Gelüsten angeschrieen wird. Er und sein ganzes Dämonenheer haben im Judenthume eine nur sehr klägliche Existenz geführt und haben sich nur in den niedersten Kreisen des Aberglaubens ein etwas behagliches Dasein gründen können; von dort hat ihn freilich eine Tochterreligion, die in jenen Regionen

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