Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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He - Chaluz. 69 Jedoch der ״Chaluz" hat durch seine solide Gelehrsamkeit und seinen kaustischen Witz sein, wenn auch nicht sehr zahlreiches, Publicum gefunden, ja oft in eine gewisse Aufregung versetzt. Er ist still und laut angegriffen worden und hat es an Veranlassungen dazu nicht fehlen lassen; er hat seine Gegner ausgesucht, ist in ihrer Verfolgung nicht gerade zart und rücksichtsvoll Verfahren, hat Angriffe tapfer abgewehrt und reichlich vergolten. Er hat sich Beachtung erkämpft, und unsere Blätter, welche die Bewegung der Zeit zu begleiten bestimmt sind, dürfen ihn nun, da er neuerdings wieder aufgetreten, gleichfalls nicht unbeachtet lassen. Ich habe zwar die früheren Hefte an einem anderen Orte bereits besprochen*), kann auch hier nicht genauer in den ganzen Inhalt der schon älteren Hefte eingehen; dennoch soll dem Leser ein zusammenfassender Ueberblick dargeboten werden. Die fünf ersten Hefte dieser periodischen Schrift waren durch sathrische Aufsätze eingeleitet, welche, ohne den Gehalt und Werth des Unternehmens zu beeinträchtigen, in den folgenden zurückgeblieben sind. Sie behandelten mit ätzender Persiflage galizische Zustände und Persönlichkeiten, und die alte Wahrheit bleibt immer wahr, daß es Dinge giebt, über die es schwer ist, sich der Satyre zu enthalten; das tiefe Weh, welches man darüber empfindet, will sich Luft machen in beißender Verspottung derselben, man muß den Schmerz sich weglachen, wenn man nicht von drückender Betrübniß niedergebeugt werden soll. Allein dieses Mittel, das dem, der es verwendet, Wohl ein Heilmittel sein, das eigene gepreßte Herz erleichtern mag, ist oft zu verwundend gegen die, welche es trifft und erscheint als hart und gefühllos auch in den Augen derer, welche mehr fernstehend die tiefe Ergriffenheit nicht theilen und in dem Satyriker weniger den ernsten Zorn erkennen, mehr den frivolen Spötter zu erblicken glauben. In Schorr's Satyre fehlte es allerdings nicht an der soliden Begründung, und auch diese Aufsätze boten mannichfache Belehrung; dennoch halten wir es für förderlich, daß die scharfe Geißel blos gelegentlich an Stellen der Untersuchung, wo es hingehört, geschwungen werde, als daß sie regelmäßig mit ihren Schlägen das Werk eröffne. Als eines Reizmittels bedurfte und bedarf der Chaluz dieser Aufsätze nicht; sein Inhalt ist gediegen, seine Darstellung lebendig *) In der Zeitschrift der Deutschen morgenländ. Gesellschaft, und zwar Heft 1-3 daselbst in Bd. XI S. 332 ff., Heft 4 in Bd. XIII S. 713 s-, Heft 5 in Bd. XV S. 416 ff., Hest 6 in Bd. XVI S. 287 ff.