Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Recensionen. Krochmal's langgepflegtes Werk, die reife Frucht gedankenvoller Gelehrsamkeit, trat 1851, nachdem der Verfasser schon aus dem Leben geschieden, ans Licht der Oeffentlichkeit. Isaak Samuel Reggio bereicherte 1852, bereits dem Greisenalter und dem Lebensziele nahe, seine fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit durch Herausgäbe der ״Thoren- (Löwen-)stimme" des alten Leon de Modena, einer heftigen Bekämpfung des Thalmud, und Reggio selbst verfolgte in den dazu gelieferten Anmerkungen wie in späteren Arbeiten eine weitgehende freisinnige Richtung, deren man sich bei ihm nach seinen früheren Werken nicht versehen hatte. Und Osias H. Sch o rr ließ in demselben Jahre seinen mit einschneidendem Freimuthe ״gerüsteten Kämpfer" (He-Chaluz) zum ersten Male einherschreiten, der nun zum siebenten Male bereits seinen Gang wiederholt. Es waren schon längst bekannte Männer, ja Krochmal war, wie gesagt, schon todt, und Reggio bereits dem Ende nahe, aber in den Werken war eine Jugendfrische, eine anregende Lebendigkeit, die das Zeugniß ablegte, daß der frische Lebenshauch der Zeit nicht geschwunden, vielmehr auch in den reifen, ja alternden Männern neue Blüthen hervorlockte. Selbst der Umstand, daß diese Werke in hebräischer Sprache erschienen, war ein Zeichen, daß die geistige Bewegung auch in jene Kreise vorgedrungen, welche gemäß ihrer Jugendbildung, ihrer ganzen Umgebung und ihren eigenen Herzensneigungen im engsten Zusammenhänge mit den ererbten Ueberlieserungen, mit der aus der Vergangenheit geschöpften Geistesnahrung stehen. Man durfte die Erwartung hegen, daß auch in den Gegenden und Studienrichtungen, in welchen die alte Gelehrsamkeit noch vorherrschend ist, der neue freisinnige Forschergeist sich geltend machen werde. Inwiefern diese Erwartung eine berechtigte war, läßt sich nun freilich vorläufig nicht angeben; bis jetzt läßt sich eine Einwirkung des in jenen Schriften wehenden Geistes auf neuere Erscheinungen aus jener Sphäre nicht mit Bestimmtheit Nachweisen, obgleich eine stille Gährung sicher Statt findet. Eine Wahrnehmung aber bestätigte sich, nämlich die, daß die frische Strömung der geistigen Bewegung sich zwar auch ihren Ausdruck in der hebräischen Sprache zu bilden vermöge, aber dennoch in ihrer Fortleitung, in ihrem eindringlichen Ergüsse durch dieselbe gehemmt werde. Das Wort in der lebenden Sprache trägt sein Leben über auf die empfänglichen Gemüther, das Wort in der todten erscheint Vielen nur als ein Kunstproduct" vermag oft sich da nicht Eingang zu verschaffen, wo der Geistesboden für seinen Inhalt gerade günstig vorbereitet ist.