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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 64

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 64 (sequence 65)
Language
German
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64 IV. Berührungen der Bibel u, des Judenlh. die Anklagen verbreiteten. So würde die Uebermacht das Zerstörungswerk des Todtschweigens gegen ihn wie gegen so manche unbequeme Geister vollzogen haben, wenn nicht zumeist Hieronymus uns doch einige Kunde von ihm hinterlassen hätte, die freilich unsere Wißbegier mehr weckt als befriedigt. Aus ihm erfahren wir, daß Porphyrios der erste war, welcher den Inhalt des Buches Daniel auf die makkabäischen Kämpfe bezog und den Verfasser als Zeitgenossen dieser Begebenheiten bezeichnete — eine Einsicht, zu welcher erst die neuere Zeit nach langen Irrfahrten zurückgekehrt ist und zu welcher auch Hr. B. sich bekennt (vgl. S. 113). Wenn die eine genannte Schrift des Porphyrios, welche den Genuß der Fleischnahrung bekämpft, eine Ausnahme macht und durch ein günstigeres Schicksal gerettet worden ist, so verdankt sie Dies nicht dem Zufalle, sondern ihrem Inhalte, welcher der bald nach ihm zur Geltung gelangten mönchisch-asketischen Richtung zusagte; man duldete den verhaßten Namen, wenn der Mund, welcher sonst so Feindliches aussprach, eine Lebensregel empfahl, die man selbst so sehr begünstigte und deren Trefflichkeit man durch die Uebereinstimmung des in andern Dingen so heftigen Gegners um so kräftiger belegen zu können glaubte. Porphyrios steht nun freilich auch in diesem Punkte nicht auf gleichem Standpunkte mit seinen mönchischen Bundesgenossen. Die christliche Askese will den Menschen durch Entsagung und Entbehrungen beugen, und wenn hie und da auch die Enthaltung von der Fleischkost von ihr besonders begünstigt wird, so geschieht Dies, weil diese die stärkendste ist. Der Neuplatoniker Porphyrios will den Menschen geistig erheben, von dem Irdischen soweit wie möglich unabhängig machen; die nöthige Nahrung will er ihm nicht entziehen, Wohl aber die Berührung mit dem Thierischen, und daher ist sein Kampf ausschließlich gegen die animalische Nahrung gerichtet. Gegen diese hat aber der Neuplatoniker noch das besondere Bedenken, das die Kirche kaum getheilt hat: woher denn der Mensch überhaupt das Recht habe, ein unschädliches Thier, gegen das er nicht etwa die Nothwendigkeit der Selbstvertheidigung für sich geltend machen kann, zu tödten? Diesem Bedenken begegnen wir später auch im Islam und dem von ihm influirten Judenthume, die ihre philosophische Bewegung zunächst entweder von dem Neu- Platonismus selbst oder von dem doch mit dessen Elementen geschwängerten Aristotelismus erhalten haben. Die Frage wird von

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