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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 62

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 62 (sequence 63)
Language
German
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62 IV. Berührungen der Bibel u. des Judenth. Worden, Befehle und Versuche zum Löschen des Brandes unwirksam geblieben, und Titus habe dann diesen Brand als ein Werk des Zufalls oder vielmehr der göttlichen Fügung tief beklagt. Severus jedoch berichtet das gerade Gegentheil, Titus habe mit Anderen dahin gestimmt, daß man den Tempel vornehmlich zerstören müsse, damit der Juden und der Christen Glaube vollständiger ausgerottet werde. Hr. B. weist nun darauf hin, wie der Dichter Valerius Flaccus in seinem Gedichte, das dem noch auf dem Throne befindlichen Vespasianus gewidmet ist und in dem die Absicht vorwaltet, dessen glänzendes Verdienst zu verherrlichen, das Lob der drei Flavier anstimmend, den Domitianus auffordert, er möge seinen Bruder schildern ״geschwärzt von Jerusalems Schlachtstaub, wie er den Brandpfeil schleudert und wüthet auf jeglicher Zinne." Daraus schließt Hr. B., daß zur Zeit als Valerius Flaccus diese Verse schrieb, d. h. in den ersten Jahren nach dem jüdischen Krieg, Verehrer des Kaiserhauses dem Titus noch aus dem Brande Jerusalem's ein Verdienst machten. Severus selbst hat sonst oft für die einschlagenden Theile der römischen Kaisergeschichte den Tacitus ausgebeutet, wie durch Belege erhärtet wird; sicher hat er auch für die mit der Geschichte der Flavier zusammenhängende Zerstörung Jerusalem's die Historien des Tacitus benutzt, die uns Zwar für diesen Zeitpunkt nicht erhalten sind, aber Wohl dem Severus ebenso Vorgelegen haben wie andern seiner Zeitgenossen, die Stellen aus diesem Theile der Historien ausdrücklich überliefern. Tacitus nun, der nach Beseitigung des Domitianus schrieb und daher keine Rücksicht auf das über die Flavier sich ergebende Urtheil in seinen Berichten zu nehmen hatte, konnte das Richtige zur Genüge erfahren, während Josephus unter der Censur des Titus schrieb und seine Berichte darnach Zuschnitt. — Wenn uns nun auch nach fast acht- Zehn Jahrhunderten es ziemlich gleichgültig sein kann, ob der Tempelbrand auf Veranlassung des Titus absichtlich vollzogen worden und Titus der heftigen im Kriege angefachten Leidenschaft nachgegeben habe, oder aber ob der Brand wider den Willen des Titus entstanden sei und fortgewüthet, Titus aber auch da sich als den allzeit Milden bewährt habe: so wäre ein neuer Beleg für die höfisch-flavische Färbung der ganzen josephischen Darstellung von Bedeutung. Wenn er den traurigen Muth hatte, in einer Angelegenheit, die damals das jüdische Herz so tief bewegen mußte, zu Gunsten seines Gönners seiner Geschichtserzählung entstellende

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