Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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60 IV. Berührungen der Bibel u. des Judenth. für die jüdischen heiligen Schriften, so daß er nur deren Inhalt in eine gewissermaßen profane, aber elegante Form umzugießen wagte. Es ist vielmehr das instinetartige Bewußtsein, welches ihn leitet, daß er es bei der jüdischen Geschichte mit menschlichen, greifbaren Thatsachen zu thun hat, die, wenn sie auch als eine Ent- Wickelung des Gottesreiches aufgefaßt werden, doch in eine künstlerisch historische Form gebracht werden können, während Dies für die Anfangsgeschichte des Christenthums, die mit allen ihren widerspruchsvollen in kleinliche Verhältnisse eingeengten Begebenheiten dennoch den Anspruch erhebt, über alles Menschliche hinauszugreifen, unthunlich ist. In welcher Form und mit welchen Rücksichtnahmen auf seine Zeit Severus seine Aufgabe ausführt, das weist Hr. B. in dieser Abhandlung nach, ebenso vertraut mit den Feinheiten des classischen Alterthums wie mit den Parteistellungen und den Sectenstreitigkeiten der charakterlos verwirrten und fanatisch aufgeregten Zeit des Severus. So gern wir Hrn. B. als Führer auch auf diesem wildverwachsenen Wege folgen und so sehr seine Darstellung durch Anschaulichkeit anzieht, so liegt sie doch unserm Zwecke zu fern, als daß wir hier weiter darin eingehen sollten. Auch der Inhalt der Chronik kann im Ganzen kein besonderes Interesse darbieten. Severus begnügt sich, den Stoff nach dem biblischen Texte, d. h. nach der alten lateinischen Verdolmetschung der 70, der Jtala, aber in eleganter Form wiederzugeben. Wir begegnen daher hier natürlich auch allen den Auffassungen der 70, die man von mancher Seite her so rasch als arge Textverderbnisse bezeichnet, während sie doch nur der Ausdruck der ganzen alten Zeit in der Schrifterklärung sind. Daher wird auch der Inhalt der Stelle Exodus 21, 22 ff. in der Weise wiedergegeben, daß ein Unterschied gemacht wird zwischen der Verletzung eines vollständig ausgetragenen Kindes und der eines noch nicht lebensfähigen, wie die 70 in Uebereinstimmung mit der älteren Richtung ihn hier ausgedrückt finden (vgl. Urschrift S. 436 ff. Ozar nechmad III S. 12 ff.). Wir können uns daher den Unmuth nicht erklären, mit welchem sich Hr. B. über diese Auffassung (S. 41 Anm. 56) ausspricht: ״Ich fühle mich nicht gedrungen, bei dieser widerwär- Ligen und Wohl nur aus schlimmer Absicht entsprungenen Verderbung der hebräischen Urschrift durch die Septuaginta länger zu verweilen." Es liegt hier weder eine widerwärtige Verderbung vor, noch ist im Entferntesten eine schlimme Absicht aufzuspüren,