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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 58

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 58 (sequence 59)
Language
German
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58 IV. Berührungen der Bibel u. des Judenth. bedeuten, und die 70 mögen als Fem. von gelesen haben. Für die hier speciell hervorgehobenen Vermischungen haben sie Wohl solche verlangt, zu denen die Sinnlichkeit des Mannes besonders antreibt; dazu gehört aber nicht die ältere Schwiegermutter, sondern die jüngere Schwiegertochter. Phokhlides hingegen mochte unter allgemeiner die junge Frau, und zwar besonders die blos zum Geschlechtsumgange dienende verstehen, daher er sie als Kebsweiber der Vaters, die Frau des Vaters aber mit Stiefmutter wiedergab. Aber auch was V. 21 untersagt, die Ver- Mischung mit Thieren, auch Dies nimmt unser Spruchdichter auf und zwar, nach Levit. 18, 23 und 20, 16, es in die beiden Fälle auseinanderlegend, wo Frauen (V. 187) und wo Männer (V. 190) sich dieses Verbrechens schuldig machen, und aus dem ßißaaß'rivca, welches der Grieche für die erstere Unnatürlichkeit gebraucht, bildet Phokhlides sogar den ihm eigenen Ausdruck ßaTijQiov Xkyog. So fährt der Dichter mit seinen Ermahnungen fort, welche überall ihren entsprechenden pentateuchischen Beleg finden, wo unter Anderm der Nath, die Züchtigung des ungerathenen Sohnes der Mutter oder den älteren Familiengliedern oder den Gemeindeältesten zu überlassen, wieder, wie Hr. B. richtig hervorhebt, recht auffallend an Deuter. 21, 19 erinnert, ebenso wie die Er- Mahnung zur Ehrfurcht vor dem Alter in ihrem Ausdrucke: ״vor grauem Haupte Scheu zu tragen und vor Greisen vom Sitze aufzustehen" fast wörtlich mit Levit. 19, 32 zufammentrifft. Und so vollzieht unser Spruchdichter seine Aufgabe, eine Blumenlese aus den Moralvorschriften des Pentateuchs zu liefern, die denselben treu wiederspiegeln, ohne den Charakter der Allgemeingültigkeit aufzugeben, und sein Verfahren entspricht vollständig jenem Streben der ganzen alexandrinischen Schule, die bei allem jüdischen Ernste doch sich des entschiedenen Verlangens nicht erwehren konnte, in die Gesammtmenschheit einzugehen, ebenso dieser sich anzubequemen wie sie Zu sich herüberzuleiten. Wenn andere Glieder der Schule Dies durch Umdeutung des Geschichtlichen und Gesetzlichen zu bewirken suchten, so wählte der vorgebliche Phokhlides ein zwar weniger charakteristisches, aber gewiß eindruckvolleres Verfahren, den ewigen Gehalt des Judenthums in friedlicher Weise hervorzuheben. Er hat sicher für seine Schrift auch die Anerkennung seiner Zeitgenossen gewonnen, die ihn auch, nach ihrer unkritischen Stimmung, als Phokhlides gelten ließen, und wenn die ersten kirchlichen Schrift-

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