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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 54

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 54 (sequence 55)
Language
German
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54 IV. Berührung der Bibel u. des Judenth. und zwar bewußte, welthistorische That, die dem Christenthum den Weg vorbereitet hat. Daß Phokylides dem Heidenthume kemerlei Nachgiebigkeit bewiesen, würde, wenn auch blos in einzelnen geläufigen Wortformen, nach dem vorliegenden Texte und dem gewöhnlichen Verständnisse der Sprüche an einigen Stellen zweifelhaft; Hr. B. weist aber überzeugend nach, daß entweder der Text corrumpirt oder die gewöhnliche Auffassung irrig ist. Wenn einige Male ״Götter" (&601) Vorkommen, so wird aus dem ganzen Zusammenhänge schlagend dargethan, daß die Lesart falsch ist und durch unwissende Abschreiber für ganz unschuldige ähnlichlautende, aber ganz Anderes bedeutende Wörter (wie vkov, yooi) in den Text gedrungen ist. Unter den ״Himmlischen" und ״Seligen" aber sind nicht etwa nach altem griechischen Sprachgebrauche die Götter zu verstehen, sondern die Himmelskörper, welche ja nach dem philosophischen Meister der Alexandriners, Plato, als von höheren Geistern beseelt zu denken sind, wie wiederum der Zusammenhang unzweideutig kund thut. Im Gegentheile spricht der Spruchdichter immer von dem einen Gotte, wagt sogar bei der Warnung vor sinnlicher Liebe den ״Eros" ausdrücklich .seiner Göttlichkeit ׳zu entkleiden. Allein dabei läßt er es bewenden und weicht, seinem Zwecke gemäß, einer jeden directen Polemik gegen Vielgötterei aus. Ebenso vorsichtig geht er in seinen Lebensregeln zu Werke. Die äußerste Gränze, bis wohin er vorrückt, ist die Aufnahme einiger Vorschriften, welche zwar dem classischen Alterthume nicht als solche gelten, sich aber doch einem jeden gebildeten und humanen Sinne empfehlen, wie die, nicht von gefallenem*) und zerrissenem Viehe zu essen, bei der Aushebung eines Vogelnestes die Mutter zu entlassen. Wenn diese Ermahnungen, obgleich nicht den geläufigen Ansichten entnommen, den Griechen nicht fremdartig, vielmehr Wohl annehmbar erscheinen mochten und der Verfasser hoffen durfte, da- *) Interessant ist die Parallele, welche Hr. B. dazu aus einer römischen Priesterregel beibringt, welche verbietet, ״Schuhe und Sohlen aus der Haut gefallenen Viehes zu tragen, weil Alles, was natürlichen Todes verendet, etwas Unheimliches an sich hat (sua morte exstincta omnia funesta sunt).״ Man begreift hierdurch noch genauer, warum die Sadducäer — und mit ihnen Samaritaner und Karäer — den Pharisäern gegenüber einen solchen Nachdruck legen auf die Nichtverwendung des Aases und seiner Theile zur Zubereitung von Gegenständen (vgl- He-Chalutz VI S. 18 ff. Zeitschr. der D. M. G. XVI S. 717 ff. diese Ztschr. Bd. II. S.. 21 ff.).

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