Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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mit dem class. Alterth. u. dessen Ausläufern. s>3 Tugenden einschärfen, einem alexandrinischen Juden aus dem zweiten vorchristl. Jahrhundert angehört. Unter dem Namen eines alten griechischen Spruchdichters will sie den sittlichen Gehalt des Judenthums der nichtjüdischen Welt empfehlen, ihn bei ihr einführen, und wenn der Verfasser, seinem Standpunkte nach, einerseits eine jede Concession an das Heidenthum entschieden fernhält, so vermeidet er auch andrerseits irgend etwas aufzunehmen, das ihn specifisch als Juden hätte kennzeichnen müssen. Diese Vorsicht legte ihm nicht blos sein Vorgeben auf, daß die Sprüche von Phokylides herrühren, sondern er wurde dazu, sowie selbst zu der Beilegung seines Werkes an einen älteren griechischen Schriftsteller durch seinen ganzen Zweck bestimmt, unter unschuldiger, möglichst wenig herausfordernder Form die Griechen zum Judenthum, wenigstens zur Anerkennung von dessen tieferemKerne hinzuleiten. Der jüdische Alexandrinismus hatte allerdings diese weitgreisende Tendenz, ebenso das Judenthum durch Symbolisirung und Sublimirung seines absondernden Charakters zu entkleiden wie die Gesammt- Menschheit demselben zuzuführen. Mögen auch seine Genossen neben der Symbolisirung noch so sehr an der Wirklichkeit der geschichtlichen Thatsachen und an der Verbindlichkeit der äußern Gesetze festgehalten haben: so traten diese dennoch zurück hinter den tiefern Sinn und den geistigen Gehalt und büßten doch an Ansehen und Geltung ein. Auch mögen sie nicht geradezu propagandistisch aufgetreten sein, doch ist ihre ganze schriftstellerische Thätigkeit darauf berechnet, das Judenthum, das sie als allgemeine Menschenreligion, nicht blos als die des jüdischen Volkes, ehrten, auch wirklich der Gesammtmenschheit, und das hieß damals: den Griechen, näher zu bringen und ihm bei ihr Eingang zu verschaffen. Diese Tendenz des jüdischen Alexandrinismus, die ebenso wie Aristobul, den Sibhllinen und dem ehrkicheren Philo u. A., so auch unserm angeblichen Phokylides innewohnt, hat Hr. B. ohne Grund abgeschwächt. Er gesteht zu, ״daß er an Heiden seine Mahnrede richte," fügt aber hinzu, ״wiederum nicht in der Absicht, sie zum Judenthume zu bekehren, sondern um ihnen diejenige Gattung von jüdischen Gesetzen ans Herz zu legen, welche nach der jüdischen Auffassung alle, auch die nichtjüdischem Menschen verbindet, d. h. die sogenannten Noachidengebote" (S. XXXV). Allein diese Scheidung zwischen Noachiden- und ausschließlich jüdischen Geboten, welche einesspätere straffer nationale palästinensische Richtung macht, auch den Alexandrinern beizulegen, hat man kein Recht. Vielmehr ist gerade die von ihnen angebahnte Verschmelzung ihre,