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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 52

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 52 (sequence 53)
Language
German
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52 IV. Berührungen der Bibel u. des Judenth. des antiken Geistes allein ist es, welche eine derartige Auflösung herbeiführte: noch ein anderer Umstand trat hinzu, nämlich der überwältigende Einfluß, welchen eine den Völkern und deren Sprachen fremdartige Anschauung gewann und nun durch das Bestreben einer Verschmelzung zweier entgegengesetzter Grundrichtungen eine Zersetzung namentlich derjenigen herbeiführte, deren Sprache und feststehende Formen nun zu einem ganz abweichenden Inhalte sich herleihen mußten. So erging es dem Griechenthume im Alexandrinismus, der jenes orientalisch, vorzugsweise jüdisch umgoß, wie später unter den Byzantinern, die es der christlichen Kirche dienstbar machten, so dem Römerthume, das es sich gefallen lassen mußte, zum Werkzeuge einer Verbreitung des Christenthums zu werden. Diesen innern Kampf zu verfolgen, aus den hervortretenden Verzerrungen die gegenseitige Einwirkung zu beobachten, hat ein mehr als pathologisches, es hat ein historisches Interesse. Während die Einwirkungen des Christenthums, das als Sieger aus diesem Kampfe hervorgegangen, längst zur Anerkennung gekommen und über Gebühr verherrlicht worden sind, ist der Einfluß des Judenthums wiederum weniger gewürdigt worden, als er es verdiente; um so interessanter ist es aber gerade dessen Spuren zu entdecken, als man das Judenthum, in soweit man in ihm nicht die Puppe für die christliche Psyche sieht, als völlig von aller Berührung mit der Weltliteratur abgeschlossen zu betrachten sich gewöhnt hat. Man übersah und wollte übersehen. In hohem Grade verdienstlich sind daher die Nachweise einer solchen Berührung, welche mit Vermeidung aller Absichtlichkeit, scheinbar gelegentlich auf dem weiten philologisch-kritischen Rundgange aufgelesen, von Hrn. Dr. I. Bernays (jetzt außerord. Prof. u. Oberbibliothekar in Bonn) schon früher geliefert und jetzt mit einem neuen Beitrage bereichert worden sind. An jene zu erinnern, auf diesen die Aufmerksamkeit zu lenken, entspricht der Aufgabe unserer Zeitschrift und ist der Zweck der folgenden Zeilen. Bereits im J. 1856 erschien die Schrift: Ueber das Phokylideische Gedicht. Ein Beitrag zur hellenistischen Literatur (XXXVI und 7 unpag. Seiten gr. 4.)*). Sie weist in erschöpfender Behandlung nach, daß diese Sammlung von Sprüchen, welche moralische Lehren und sociale *) Die drei zu nennenden Schriften sind sämmtlich zunächst als Prograrnrne des Breslauer jüd. theol. Seminars erschienen.

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