Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2420983-2420984--0997-2422019- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 n. Bibelkritische Miscellen. kehrt beweisen zu können, daß בדך und כאץ beide ursprünglich gestanden haben müssen, denn nur so sei ein schöner Parallelismus der Glieder vorhanden, während er mit dem Ausfälle des einen Wortes zerstört sei. Der Vers nämlich biete nach dem bestehenden Texte die Uebersetzung: ״Der Frevler rühmt sich der bösen Lüste seiner Seele, und der Räuber preist sich, daß er der Gottheit spottet"; ohne בדך fehlt hier das ״Preist sich", das dem früheren, ״rühmt sich" entspricht, und der schöne Satzbau ist muthwillig zerstört! Hr. Schm, ist wirklich recht naiv. Ich will hier nicht urgiren, daß anerkannt ist, der Vers sei schwerlich in seiner ursprünglichen Gestalt auf uns gekommen, d?t er nach der eingehaltenen alphabethischen Gliederung mit einem Mem zu beginnen hat; aber abgesehen davon, nimmt Hr. Schm, leichthin Bedeutungen an, die zu begründen ihm sehr schwer fallen möchte. Seit wann heißt denn brn sich rühmen und בדך sich preisen? Mit solcher Willkür läßt sich freilich alles erklären. Seinen kritischen Feldzug beschließt Hr. Schm, mit einer Probe thalmudischer Kritik. In Bd. II. dieser Zeitschrift S. 90—97 ward durch zahlreiche Stellen nachgewiesen, wie der Act der Chalizah im Pharisäismus allmälig in seiner Bedeutung gesunken ist, und wer die Abhandlung unbefangen prüft, wird, hoffe ich, dem nach den verschiedensten Seiten hin geführten Nachweise seine Zustimmung nicht versagen. In einer Anmerkung auf S. 95 mache ich auf eine Stelle in Sifre aufmerksam, in welcher die Entbehrlichkeit des Ausspuckens nach Akiba, während Elieser es für unentbehrlich hält, mit der Erklärung in Verbindung gesetzt wird, daß nicht von einem Anspucken die Rede sei, sondern blos von einem Ausspucken. Den Zusammenhang finde ich darin, daß da man überhaupt das eigentliche Anspucken in ein Ausspucken erleichtert hat, auch dieses dann nach Akiba als entbehrlich betrachtet werde. ״Die Säulen der Kritik Wanken!" ruft Hr. Schm, emphatisch aus. ״Wer der Wurzel der Dinge nachgeht, fährt er fort, recht genau untersucht, wird finden, daß vielmehr G. den Pfad des Verständnisses der Sifrestelle gänzlich verfehlt hat, nicht in die Tiefe der Absicht eingedrungen ist." Ich würde einem solchen Sturmlaufen gegenüber schon das kleine Außenwerk in der Anmerkung preisgeben, da die eigentlichen Voll- Werke von allem Angriffe verschont bleiben. Aber ich habe es wahrlich jener Ruhmredigkeit gegenüber nicht nöthig. Hr. Schm, nämlich verweist aus Mischnah Jebamoth 12, 3, wo diese Meinungsverschiedenheit zwischen Elieser und Akiba gleichfalls angegeben wird.