Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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IL Bibellritische Mitcellein 23 sten Zeiten Zusarnmenfassen . . .; wieder andere haben im Laufe der Zeit, theils bevor sie niedergeschrieben wurden und noch im Munde des Volkes lebten, theils auch nach ihrer schriftlichen Auf- Zeichnung bald mit bald ohne Absicht Ueberarbeitungen erfahren, die natürlich ihren früheren sprachlichen Charakter wenigstens hie und da verwischen. Und so mag noch mancher Umstand, hergenommen von der eigenthümlichen Begabung des Schriftstellers, der Individualität der Gegend, in der er schrieb, von dem Geschicke, mit welchem er frühere Quellen sich anzueignen wußte und dgl., davor warnen, vorschnell aus dem Tone und der Farbe der Sprache die Zeit, in welcher das Buch abgefaßt worden, sicher beurtheilen zu wollen. Alle diese Betrachtungen sind geeignet, die doppelte Pflicht der Vorsicht aufzuerlegen; dennoch werden sie nimmermehr dazu berechtigen, daß wir den hinlänglich geübten Blick schließen und auffallende Sprachabweichungen als gleichgültig abweisen dürften. Den Büchern Koheleth . . . z. B. ist das Gepräge des Sprachverfalls so entschieden aufgedrückt, daß nur Voreingenommenheit es gewaltsam leugnen möchte, und auch in andern Büchern, wo die Kennzeichen nicht so durchgreifend und auffallend sind, lassen sich doch die sprachlichen Merkmale der Jugend, vereinzelte Ausdrücke und Redeweisen nicht leichtweg beseitigen, und sind sie jedenfalls sehr brauchbare Stützen, sobald dieKritik an andern Wahrnehmungen den Charakter der Zeit auffindet." Nach diesen Grundsätzen habe ich sowohl in der ״Urschrift" selbst als auch in späteren Arbeiten das sprachliche Moment subsidiarisch benützt, sobald sonstige innere Gründe der Kritik eine Handhabe gaben. Freilich wird bei solchen Urtheilen über den Sprachcharakter Vertrautheit mit dem Geiste der Sprache und ein gewisser?sprachlicher TacL Zu Hülfe kommen müssen, und diese können nicht durch bloßes Nachschlagen der Concordanz erworben werden. Die Tadelsucht hängt sich daher besonders an solche sprachliche Bemerkungen, die sie von der ganzen übrigen Beweisführung loslöst und deren Beweiskraft sie durch Herbeibringung einiger scheinbar ähnlichen Beispiele Zu stürzen versucht. Es ist, wie ich glaube, angemessen, gerade auf diesem Boden, der schlüpfrig ist und auf dem daher Jeder leicht Zum Falle bringen zu können glaubt, doch die Sicherheit zu erhöhen und die falschen Einwürfe abzuweisen.