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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 21

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 21 (sequence 22)
Language
German
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I. Samuel David Lnz^atko. 21 ihm ein heiliger Ernst, er glaubte dem Hebraismus und dem Juden- Lhume einen sehr ersprießlichen Dienst zu erweisen durch diese liebevolle Pflege des Neuhebräischen. Sein Styl ist, wenn man von einem solchen in einer erstorbenen Sprache reden darf, der Ausdruck seines Wesens, warm und charaktervoll, seine Dichtungen freilich mehr Nach- und Anempfindungen. Er wirkte dadurch vielfach anregend und erwärmend; der Kreis der Freunde solchen neuhebräischen Nach- Wuchses ist noch groß und weitverbreitet, und wer viel Umgang pflegt mit den hebräischen Nachahmungen belletristischer und poetischer Leistungen aus den verschiedensten Zeiten und Ländern, empfindet an jener Gewandtheit und Biegsamkeit, die fähige Geister dieser Sprache zu geben wußten, einen eigenthümlichen Genuß. Allein das Spiel hat auch seine gefährliche Seite und hat seinen nachtheiligen Einfluß an Luzzatto und seinen Leistungen bewährt. Die erstorbene Sprache, zumal wenn sie fast ausschließlich zum Ausdrucke einer bestimmten religiösen Richtung diente, hat ihre ausgeprägten feststehenden Gedanken, sie nöthigt fast gewisse in ihr herkömmliche Annahmen auf, sie hindert daran, in den ganzen Fluß der Gegenwart einzugehen. Das entsprach Luz.'s Wesen, aber es bestärkte ihn auch darin; diese ängstliche Pietät, diese fromme Entrüstung befestigte die Sprache in ihm noch mehr als sie ihm entsprangen, sie strömte ihm ihre alten Ausdrücke zu als gangbare Münzen, deren Werth gar keiner neuen Untersuchung unterlag. Luzzatto würde, wenn er in einer lebenden Sprache geschrieben hätte, weit weniger von Voraussetzungen ausgegangen sein, die er im Kreise der Hebräer als zugestanden betrachten durfte, während er in der lebenden zu einer ernsteren Begründung sich genöthigt gesehen hätte und daher zu tieferer Durchforschung veranlaßt worden wäre. Weit mehr noch wirkte dieser Umstand auf das Schicksal seiner Arbeiten. Wie er selbst mit einer Vorliebe, die krankhaft wurde, seine Schriften blos für Genossen berechnete, die in alle Windungen des neuhebräischen Ausdrucks eingeweiht waren, so waren sie auch diesen blos zugänglich, wurden blos von diesen beachtet. So blieben sie betfi großen Gelehrtenkreise fremd und nur hie und da mittelbar — wie z. B. die oben besprochene Betrachtung über Koheleth — erfuhren nicht ohne anerkennende Theilnahme christliche Gelehrte von seinen Leistungen, denen sie, wenn sie mit ihnen bekannter geworden wären, einen fruchtbaren Einfluß auf ihre Studien Wohl willig gegönnt hätten. Von dem jüdischenKreise hingegen, der sich an ihnen erfreute, drang nur der verschwindend geringste Theil in die

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