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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 20

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 20 (sequence 21)
Language
German
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20 1 Samuel David Luzzatto. L. war ein inniger Freund des biblischen Judenthums und seiner weitern ganzen Entwickelung; vorzugsweise interessirte ihn die Sittenlehre des Thalmuds, deren Blüthen er gern sammelte. Seinem freien, dogmatischer Engherzigkeit abholden Streben war es Bedürfniß, im Thalmud einen freien Gang der Entwickelung des Judenthums zu erkennen, so daß seine von dem natürlichen Sinne der Schriftstellen abweichenden Vorschriften spätere selbstständige Er- Weiterungen und Umgestaltungen sind, die keineswegs auf die versuchten künstlichen Deutungen sich stützen, während diese vielmehr blos Anlehnungen seien. Absichtlich, meinte er, habe man früher die neue Ausgestaltung und Deutung nicht niedergeschrieben, um nicht in Fesseln des geschriebenen Wortes zu schlagen, um der freien Discussion, dem notwendigen Laufe der Entwickelung genügenden Raum zu lassen. Diese Ansichten, in denen Falsches mit Wahrem sich mischt, hat er nicht ihren weitgreifenden Conseguenzen nach verfolgt, sie sind überhaupt mehr im gelehrten brieflichen Verkehre, in Anlehnung an die von Andern angeregten Forschungen hervorgetreten und ohne Lieferen Einfluß geblieben. Denn bei L. war Alles Leben, eng mit dem innersten eignen Streben verknüpft, und alle Gelehrsamkeit war ihm Herzenssache. Wie er daher mit unendlicher Liebenswürdigkeit spendete, liebenden Antheil nahm an allen gleichartigen Strebungen Anderer und mit seinen Schätzen bereitwilligst sie förderte: so warsein gelehrter Brief- Wechsel immer lebendig anregend, discutirend, mit anerkennendem Lobe, mit strengem sittlich erregten Tadel. Er lebte nicht blos in seinen Studien, sie waren auch in ihm lebendig, sie waren ein Stück seines Wesens. Wenn er die hebräische Sprache liebte, so wurde sie für ihn eine lebende, er konnte sich mit dem Gedanken nicht befreunden, daß sie blos als eine ehemalige gepflegt werden dürfe, sie mußte als eine gegenwärtige betrachtet werden, in ihm wohnen. Er wußte sich in vielen Sprachen gewandt auszudrücken, er war ein gebildeter Kenner des Italienischen und schrieb Manches darin, aber seine Herzenssprache war die hebräische, in sie goß er am Liebsten seine Gedanken und Empfindungen; weil er ihr altes pulsirendes Leben fühlte, umfing er sie noch als eine lebende und glaubte, daß sie an seinem warmen Liebeshauche zum neuen Leben erstehe. In diesem Wahne des Humanismus dichtete und schrieb er mit Vorliebe hebräisch und merkte nicht, daß es dennoch blos künstlicher Nachwuchs, nicht frisches Naturproduct sei. Das Spiel war

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