Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2420983-2420984--0980-2422002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
I. Samuel David Luzzatto. 19 und Zonen wußte er geschmackvoll sich das Schöne zum eignen Genüsse auszuwählen und es Andern wohlbearbeitet darzubieten. Nur das Hervorragende sei hier kurz erwähnt. Die spanischen Dichter eröffneten ihm ihre reichen Schätze; deren Verbreitung ist sein Verdienst, deren correctes und feines Verständniß seine Leistung. Die alten Männer einfacher Bibelerklärung, die nicht in thalmudischer Ausdeutung untergegangen, aber auch nicht mit philosophischen Voraussetzungen den poetischen Hauch verwischten, waren seine bevorzugten Freunde. Hier zeigte sich wiederum seine starkausgeprägte Subjectivität. Auch mit seinen spanischen Dichter-Lieblingen konnte er schmollen wegen ihrer arabischen Ueberschwänglichkeiten; in den nordfranzösischen Bibelerklärern, die ihren gesunden Menschenverstand bewährten, aber doch höherer Bildung baar waren, erkannte er nicht die Mängel, die mit den Tugenden ihrer Naivetät eng verwachsen waren, und pries er sie ebenso übermäßig als Muster, als ״Inhaber ächt israelitischer guter Sitte", wie er polternd gegen die großen Philosophen und Bibelerklärer aus der spanisch-arabischen Schule, gegen einen Aben Esra und Maimonides, losfuhr, deren reifere, Liefergehende und umfassendere Leistungen er nicht genug würdigte, weil sie, einer unkritischen Zeit angehörend, ihre helleren Ansichten nicht sorgfältig genug von dem Inhalte der Bücher, die sie erklärten, zu scheiden wußten. Jedoch hat L. auf diesem Gebiete, trotz mancher Einseitigkeit, höchst Schätzbares geleistet, er hat bedeutsame Schätze gehoben, mit sicherem Verständnisse sie verwerthet, durch lichte Blicke aufgehellt und sie mild verklärt. Wenn er gegen manchen verehrten Mann ein hartes Wort gesprochen, so trieb ihn der Eifer der Liebe dazu, die sich nicht mit kühler Gerechtigkeit begnügt, die vielmehr einen Vollendeten in das warme Herz einschließen will. Wenn auch selbst sehr von Gefühl und Phantasie geleitet, war er dennoch kein Freund der Kabbalah. Dieser künstlich geschraubten, äußerlichen und hohlen Mystik, die in Italien die Geister länger als in Deutschland beherrschte, fühlte sich L.'s gesunder Sinn ganz fremd, und alsbald erwachte auch sein kritischer Sinn, der an Inhalt wie Sprache ihren späten Ursprung, wenn auch nach tüchtigen Vorgängern, neu nachwies und von dieser Erkenntniß aus zugleich einen vorgeblichen Zeugen für das höhere Alter der Punctation als lügnerisch entfernte. Das war bereits eine Arbeit seiner Jugend, wenn sie auch erst später erschien; —weiterhin ließ er die Kabbalah, die überhaupt ihren Einfluß auch in Italien einbüßte, unberührt. 2*