Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 17 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2420973-2420983-2420984--0978-2422000
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I. Samuel David LuzzatLo. 17 des Wortes als chaldäische ״Uebersetzung nach der Weise der an das Wort eng sich anschließenden griechischen des Akhlas" ist scharfsinnig, und wenn sie auch nicht mit Beweisen belegt werden kann, so hat sie doch für mich sehr viele Wahrscheinlichkeit. Allein das onkelofische Thargum bedarf noch mehr unbefangener Würdigung. Die in Onkelos herrschende Sprache ist eine gemachte, die er sich geschaffen, weil er nicht wagt, eine selbstständige Auffassung hinzustellen, weil er den Text in allen Wortformen wiedergeben will, deßhalb künstliche, dem aramäischen Sprachcharakter fremdartige Bildungen erzwingt und so mehr unsere richtige Erkenntniß des Chaldäischen trübt als er geeignet ist sie zu fördern. — Neben den kleinen absichtlichen Aenderungen, die L. im Bibeltexte zugiebt und scharfsinnig entdeckt, hat er auch Freiheit des Urtheils genug, eingeschlichene kleine Jrrthümer, A b s ch r e i b e - fehler anzuerkennen, und er hat auch nach dieser Seite hin glückliche Blicke gethan. Er war ein pietätvoller Humanist, aber nicht in die Fesseln jener dogmatischen Engherzigkeit geschlagen, die kläglich ausruft: Wie dürfen wir die Mauern der Massorah, in die wir eingeschlofsen sind, niederreißen wollen? Und dennoch machte ihn seine ängstliche Liebe zaghaft. Bei allen andern Büchern sei, meinte er, die Annahme von eingeschlichenen Jrrthümern zulässig, nicht so beim Pentateuch, der stets von so großer Sorgfalt umgeben war, daß Fehler nicht eindringen konnten. Als wären die drei Jahrtausende ununterbrochen und überall Zeiten friedlich geschützter Gelehrsamkeit gewesen, als könne die treueste Pietät der Unwissenheit wehren! Ja, L. selbst wird sich untreu, wenn er manche der ״kleinen Buchstaben" im Pentateuche daraus erklärt, daß sie — namentlich dadurch, daß das vorangegangene Wort mit demselben Buchstaben schließt, mit dem das folgende beginnt — von dem Abschreiber zuerst vergessen, dann erst nachgeschrieben und des engeren Raumes wegen kleiner eingefügt wurden; wenn die Seltsamkeit einer einzelnen Abschrift so als Gesetz auf alle andern überging, so konnten natürlich auch falsche Lesarten derselben als recipirter Text festgehalten werden. Jedoch während jene Erklärung der ״kleinen Buchstaben" an unserm Texte Nichts änderte und blos über eine seltsame Buchstabenform Aufklärung gab, würde die Annahme unberichtigter Fehler unserm Texte seine Unverbrüchlichkeit entzogen haben, und das wollte eben Luzzatto nicht. So wirkte L. als Bibelerklärer — und darin erkannte er Biertellahresschrifi IV. 1. 2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.