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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 16

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 16 (sequence 17)
Language
German
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16 I. Samuel David Luzzatto. Wendig ist. In dieser Annahme verbindet sich nun freilich Schiefes mit Klarerkanntem. Denn das Thargum steht auf dem Standpunkte, den es vertritt, nicht blos für Andere, sondern ebenso für sich; es giebt die Auffassung seiner Zeit wieder, und nicht kritisch scheidend zwischen dem Wortsinne und der zur Zeit geltenden Deutung scheut es sich nicht — wenn es ohne große Umschreibung oder Umänderung angeht —, diese in jenen hineinzutragen, und wo wichtige Interessen auf dem Spiele stehen, auch größere Freiheiten sich zu erlauben. Und das gilt nicht blos von diesem einzelnen Thargum; alle alten Uebersetzungen, und zwar wiederum nicht blos sämmtliche Thargume, von denen die meisten in freierer Weise paraphrasirend auch größeren Spielraum für die freiere Wiedergabe ihrer Zeiterklärungen sich gestatteten, sondern auch alle anderen, die griechischeu wie der syrische und samaritanische Uebersetzer und bis auf Saadias herab, befolgen dasselbe Verfahren. Gegenüber dem landläufigen Urtheile über dieselben, das überall bei diesen Uebersetzern bald die fehlerhaftesten Lesarten, bald die schülerhafteste Unkenntniß als einzige Erklärung ihrer Abweichungen festhält, muß vielmehr die absichtliche Umdeutung — die freilich auch schon vor ihnen zuweilen dem Texte selbst eine andere Fassung gegeben — und die freie Behandlung erkannt werden. Luzzetto überschritt nicht das Gebiet des ״Onkelos"; es bleibt unsere Aufgabe, mit dem durch ihn geschärften Blicke die jerusalemischen Thargume zu betrachten, die uns so lehrreiche Einblicke in die Geschichte der Bibelerklärung geben, in gleicher Weise die andern Uebersetzer zu prüfen, die nicht minder auf jüdischem Boden erwachsen sind. Selbst in Betreff des s. g. Onkelos muß die Forschung weiter Vordringen. ״Onkelos" genießt nun einmal das Ansehen einer recipirten Uebersetzung, und da er den Text in kleidsamer enganliegender Tracht darstellt, so war ihm L., seiner ganzen Gemüthsrichtung nach, von Herzen gewogen. Das will freilich nicht heißen, als wenn er die alten Jrrthüwer über ihn, die Sagen, die sich ihm anschmiegen, ohne Weiteres festgehalten hätte; er bewahrte sich vielmehr in dieser Beziehung den klaren Blick und förderte auch hierin Manches. Er sah es, daß ״Onkelos" in seiner gegenwärtigen Gestalt dem Abschlüsse der babylonischen Schulen, dem Anfänge des vierten Jahrhunderts angehört, ja er sah es auch Wohl ein, daß Onkelos eigentlich eine Personification eines Systems, des Bedürfnisses nach einer treuwörtlichen Uebersetzung ist; seine Deutung

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