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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 14

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 14 (sequence 15)
Language
German
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14 I. Samuel David LuzzatLo. urtheilen, wenn er ihn auch nicht ganz rechtfertigen, wenn er ihn auch nicht höher Hinaufrücken konnte — er schob den Zwiespalt, der in ihm aufzubrechen drohte, von sich. Daß der Werth der Schriften dadurch nicht verringert, vielmehr erhöht wird, wenn eine ganze Zeit an ihnen mitgearbeitet, wenn sie aus dem Edelsten mannigfacher Geister, die alle von derselben Idee getragen waren, geboren worden, konnte ihm nicht einleuchten; er bedurfte greifbarer einzelner Personen, denen er seine Liebe und Bewunderung zuwenden konnte, einem nirgends faßbaren Volksgeiste gegenüber, vor dem der Geschichtsforscher um so williger sich beugt, blieb er kalt. In der Beurtheilung des Kohelethbuches sehen wir, wie er spätere Zusätze ausscheidet, vorgenommene Aenderungen tief eindringend entdeckt, und wenn man schon vor ihm von Jnterpolationen und Correeturen sprach, die unser Bibeltext erfahren, so unterscheidet sich L.'s Annahme dadurch, daß sie solche durch Spätere bewirkte Umgestaltung aus bewußter wohlmeinender Absicht hervorgegangen sein läßt. Man wollte, so lehrt er, die Ansichten Koheleth's den Lesern nicht nackt geben, wollte ihnen einen andern Sinn beilegen und suchte daher durch Zusätze oder Aenderungen seine Schroffheiten zu mildern. Wem einmal diese Einsicht für ein Buch aufgegangen ist, dem kann sie sich auch für die andern nicht ganz verschließen. Dieser fruchtbare Grundsatz muß naturgemäß seine Anwendung weiter finden, auch da wo ihn L. nicht anwendete, wo er ihn nicht zugab. Die Kritik muß zur Erkenntniß kommen, daß unsere ältern biblischen Schriften schon frühzeitig eine judäische Umprägung erhalten haben, daß nach erfolgter möglichster Verkittung älterer und jüngerer Anschauung wie Bestandtheile dann auch wiederum hervortretende Lücken ausgefüllt, Widersprüche beseitigt wurden. Diese Grunderkenntniß einer ächten biblischen Kritik liegt dem großen Haufen selbst der Forscher noch ziemlich fern; L. hat zu ihr angeleitet, aber er selbst führte die Anwendung nicht so weit. Er betrachtete das einzelne Abgerundete mit zu vielem Wohlgefallen. Ein Schnitt in dieses hinein, das Zerlegen desselben in seine Schichten, die sich dann auf einander gelagert, deren eine die andere auch verschoben, zerstörte ihm das schöne Gefüge; er liebte es, die schöpferische Kraft nur in der einmaligen vollendeten Form zu würdigen, nicht in den immer sich anschenden Umbildungen. Allein im Kleinen und Einzelnen war sein Blick scharf, und wir verdanken ihm in dieser

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