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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 13

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 13 (sequence 14)
Language
German
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I. Samuel David Luzzatto. 13 die der persischen Zeit angehören, aber als von Enthüllungen der Zukunft; wie? es sollte diese große reine Seele Thatsachen, die er gleich allen Zeitgenossen mit leiblichen Augen schaute, als in prophetischem Gesichte früher erkannt und verkündet darstellen? Denn L. legte immer seinen heutigen nüchternen sittlichen Maßstab an das Alterthum an, und so poetisch er selbst'empfand, so fürchtete er, es erbleiche der hehre Glanz des Propheten, wenn er solche dichterische Freiheit ihm erlaube. Daß aber gar ein Buch unter fremdem Namen cursire, ihm dadurch ein höherer Werth beigelegt werden sollte, das ließ alle seine Sympathie dahinschwinden. Wenn auch der Vers, es nicht selbst gethan, wenn blos Spätere dadurch dem Werke größere Bedeutung geben wollten, verlor es sehr in seinen Augen; es war wie eine unreine Berührung. Um wieviel mehr wenn etwa gar der Schein erweckt werden wollte, der Vers, selbst habe einen fremden Namen erborgt. In dem Geiste eines großen Vorgängers zu schreiben, mit dem frohen Bewußtsein trefflicher Wahrheiten sie als aus der Seele eines großen Propheten in der Vergangenheit geboren zu verkünden, den Zeitgenossen Ermuthigung und Eifer zu verleihen, indem man im Namen eines allverehrten Mannes ihnen feurige Worte zurief, das war dem Alterthume nicht etwa blos schriftstellerische Licenz, das war aus dem edelsten nationalen Gute schöpfen, die Meister ehren, denen man sein Bestes verdankte, denen man blos zurückgab, was sie geweckt und gepflegt. L. aber sah darin mit nüchterner sittlicher Entrüstung niedrigen Betrug, und wenn er dem Vers, des Koheleth einen solchen wirklich imputirte, so mußte er ihn von verehrten Männern und Schriften zurückhalten. Wie hätte er nun gar mit kühner Unbefangenheit seinen Blick auf den Pentateuch werfen sollen? Mit rationalisirenden Aushülfen sucht er jede Schwierigkeit zu glätten. Selbst späte Psalmen mochte er nicht dulden; was er über Daniel gedacht, erfuhr man nicht. Und je mehr ihm im Verkehre mit den Bewegungen der Zeit die dogmatischen Folgerungen solcher antiquarischen Untersuchungen klar wurden, um so energischer ward sein Widerwille dagegen; sie schienen ihm den Blüthenstaub von jenen ewigen herrlichen Pflanzungen des Alterthums abzustreifen, und sein poetisches Gemüth bedurfte des Blüthenstaubes. Er mochte sogar frühere Zugeständnisse abschwächen, wenn er sie auch nicht gerade zurücknehmen konnte. Er wollte über Koheleth, das doch nun einmal zum Organismus der Bibel gehörte, milder

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