Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 I. Samuel David Luzzatto. nicht achten, und zwar aus doppeltem Grunde, erstens weil er seine Gesinnung für verwerflich hielt, sodann weil er sein Verfahren, sich in einen großen alten Namen zu hüllen — denn er dachte, wie gesagt, er habe ausdrücklich Salomo überall geschrieben, wo wir, wie es die Zeitgenossen geändert, Koheleth lesen — als unwürdig verdammte. Und so hätte er denn einen jeden biblischen Verfasser und sein Buch verdammen müssen, wenn der Name, den es an seiner Spitze trägt, oder der sonstwo vorkommt, mit dem Anspruche, daß es ihm angehört, nicht der des wirklichen Urhebers ist. Aber was beim schlechtgeschriebenen und schlechtgedachten Koheleth erlaubt, ja geboten war, das durfte bei den Büchern, die durch Eleganz und Innigkeit der Sprache wie des Inhalts zu L.'s Lieblingen wurden, nicht geschehen. Sie müssen rein und ganz aus der Hand der großen Verfasser hervorgegangen und rein zu uns gelangt sein; seine Liebe zu ihnen war ihm Bürgschaft für ihre Unverletztheit und drückte ihm den Schild in die Hand für ihre Unverletzlichkeit. Nur so erklärt sich uns die auffallende Thatsache, daß derselbe Mann, welcher bei Beurtheilung des Koheleth und sonst ein so feines Sprachgefühl kund giebt, in der Umwandlung der Wortbedeutungen und der Construetionen die Verschiedenheit der Zeiten zu erkennen weiß, daß derselbe Mann in Beziehung auf die bedeutendem kritischen Fragen, welche zu weit wichtigeren Resultaten führen, aber auf dieselben Grundsätze sich stützen, seine Augen gewaltsam dieser Erkenntniß verschloß, die entgegengebrachten Wahrnehmungen mit einem übelangebrachten apologetischen Eifer zu beseitigen sich bemühte. Schon Aben-Esra hatte mit vollster Klarheit erkannt, daß der Zweite Th eil des Jesaias (von Cap. 40 an) einem späteren Propheten, der in der persischen Zeit gelebt, angehöre, Krochmal und Rapoport haben diese Ansicht bald begründend, bald stillschweigend adoptirt, christliche Gelehrte haben von Seiten des Inhalts wie des Sprachcharakters die Untersuchung darüber mit erschöpfender Gründlichkeit geführt. Wäre L.'s Blick unbefangen gewesen, wir würden ihm sicher seine, originelle und durchschlagende Bemerkungen verdanken. Allein das Buch war ihm — wie gewiß jedem Leser — theuer, gerade dieser Theil in seiner idealen Höhe innerlichst ihn erfüllend, und ihn sollte er dem Jesaias absprechen dürfen? Der Prophet spricht offenbar von Ereignissen, wenn auch in allgemeinen Andeutungen,