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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 11

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 11 (sequence 12)
Language
German
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I. Samuel David Luzzatto. 11 der allgemeinen herrschenden Richtung zu bringen. Man sollte nun glauben, diese Behandlungsweise wurzle in einer ganz voraussetzungslosen bibelkritischen Ueberzeugung und müsse nach den hier angewendeten Grundsätzen auch sonst sich geltend machen. Wenn die Authentie eines Buches, das mit so zuversichtlicher Nennung seines alten Urhebers auftritt, mit Leichtigkeit aufgegeben wird, sollte man denken, müsse auch der Zweifel an dem Alter anderer gestattet sein. Wenn man über den ganzen Inhalt eines biblischen Buches ein so strenges Gericht halten darf, so muß doch wenigstens bei andern ein prüfendes Urtheil erlaubt sein. Wenn man zugeben muß, daß ein Buch, dessen Inhalt als sittlich und religiös höchst mangelhaft verworfen wird, dennoch Aufnahme in den Kanon gefunden hat, so ist die Thatsache, daß dieselben unter den heiligen Schriften sich befinden, auch für andere Bücher keine Bürgschaft der durchgehends gotterfüllten Lehre, ist ihnen hiermit das Siegel der Vollendung nicht aufgedrückt. Wenn die Ansicht für ein Buch gebilligt wird, daß Andere seinen Inhalt nach ihrer abweichenden Richtung sich durch sehr eingreifende Aenderungen zurechtgemacht, so kann die Möglichkeit eines solchen Verfahrens auch für die übrigen Schriften nicht abgewiesen werden. Wer diese Folgerungen inLuzzatto's Geiste ziehen und sie ihm beilegen wollte, würde sehr fehlgehen; L. bekämpft sie alle mit Entschiedenheit, ja mit Entrüstung. Denn L. läßt seinen kritischen Drang und Tact erst dann zu Worte kommen, wenn er von sprachlichem und subjektiv sittlichem Stand- Punkte aus Widerwillen gegen das Buch gefaßt hat; wo dies nicht der Fall ist, drängt er seinen Beruf zur Kritik zurück, erkennt er deren Berechtigung nicht an. Luzzatto empfindet für oder gegen eine Schrift, er liebt oder verwirft sie, kühle geschichtliche Gerechtigkeit entspricht weniger seinem Wesen. Er haßte Spinoza, will von dessen über Liebe und Haß erhabener Ruhe Nichts wissen; die Marmorkälte seines keine Consequenz scheuenden Denkens ist ihm widerwärtig. Er möchte ihn daher der Vergessenheit preisgegeben wissen, er entzieht deßhalb einer periodischen Schrift seine Beiträge, wenn sie lobende Urtheile über eine Philosophie bringt, die seinem Wesen widerstrebt. Auch seine Anerkennung mußte eine ungetheilte sein, er will sie nicht zersetzen; wen er liebt, dem will er Nichts entzogen wissen, er will ihn ganz in sich aufnehmen, wie er ihm in seiner gegenwärtig ausgeprägten Gestalt entgegentritt. Koheleth liebt er nicht, er verwirft ihn vollständig, er kann den Verfasser

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