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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 9 (sequence 10)
Language
German
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I. Samuel David Luzzatto. 9 arbeit untergehen läßt, einen Mann, der blos im Lebensgenüsse ein augenblickliches Ergötzen findet, um auch durch dessen Flüchtigkeit, wenn sie auch zum raschen Ergreifen mahnt, unbefriedigt zu bleiben. Wie seine Sprache sind ihm seine Grundsätze nicht sympathisch. Er entkleidet das Buch ohne Bedenken seiner Ansprüche, die es im Kanon erhebt; es ist — so spricht er in einer Jugendarbeit sich aus, die erst spät ans Licht trat — es ist nicht von Salomo, es erscheint ihm als das Werk eines Menschen, der es betrügerisch dem Solomo unterschiebt. Der Verfasser hieß nach ihm Koheleth und wollte an Stelle seines Namens den gefeierten Salomos setzen. Die Zeitgenossen ertappten ihn auf den Betrug, und wenn sie zuweilen das trügerische Gewand ihm nicht von den Schultern rissen, mit Absicht, um sein Unterfangen Allen kund zu thun, so nannten sie ihn anderswo mit seinem wahren Namen, um ihn in seiner ganzen Blöße zu zeigen. Sie ließen sein Buch im Ganzen nach seiner sittlich mangelhaften Gestalt, und setzten dennoch an einigen Stellen, die besonders gefährlich waren, Stücke zu, die den Sinn umbogen, änderten einzelne Worte, gaben anderen durch abweichende Vocalisation einen minder bedenklichen Sinn. Luzzatto verfährt in diesem Beispiele, wo er keinen Liebling zu retten, vielmehr eher das Heiligthum vor einem Eindringling zu wahren hat, mit scharf einschneidender, ziemlich schonungsloser Kritik. Die Erkenntniß der späten Zeit, welche sich im Gepräge der Sprache und der Gedankenrichtung offenbart, theilt Luz. mit allen unbefangenen Forschern, von denen unabhängig er jedoch Wohl dieses Ergebniß gefunden hat, und wenn seine Begründung nicht so erschöpfend ist wie sie geführt werden kann und auch geführt worden, so bietet auch sie dennoch schon manches Eigenthümliche. Besonders scharf, aber richtig, betont ist die entschiedene Gesinnung des Verfassers. Luz. läßt ihn nicht, wie ihn doch noch die Meisten betrachten möchten, als einen in Zweifeln Umherschwankenden erscheinen, der nach beiden Seiten hin Aussprüche thut und zuletzt, freilich mehr resignirt, der schlichten Frömmigkeit den Siegerpreis zuerkannte; er sieht in ihm vielmehr den Mann, der genießen will, sei es im Denken, sei es im sinnlichen Leben, der von der Erfolglosigkeit in seinen Bemühungen abgestoßen, nur Maßhaltung in Allem lehrt, ohne irgendwo Befriedigung zu finden. Wo im Widerspruche mit dieser gänzlichen Verwerfung irgend eines werthvollen Lebensresultates doch leise eingelenkt wird, erkennt er Zusätze und Umge-

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