Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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8 I. Samuel David Luzzatto. Waltenden Gesetze grammatisch wie der Wortbedeutung nach zu behandeln ist, feste Grundsätze bei der Erklärung walten müssen und es nicht mit ungefährem Verständnisse und beliebigen Annahmen genügt. War Luzzatto die Sprache an sich ein sein Innerstes erfüllendes Element, so war er jedoch nicht blos Linguist, sie bot ihm vielmehr ästhetische Nahrung, sie galt ihm in ihren Denkmalen als die reichste Quelle edler Bildung, ächt menschlicher Gesittung. Davon war seine Auffassung der biblischen Schriften geleitet. Er ging nicht darauf aus, sie theologisch-dogmatisch oder homiletischerbaulich zu erklären, aber Wohl human-sittlich, nach ihrem ewigen veredelnden Gehalte. Diesem nicht angenommenen, sondern seiner ganzen Naturanlage innewohnenden Streben verdankte er die Freiheit und Würde der Behandlung, die erhebende Begeisterung, die er zu allen seinen Erörterungen mitbrachte. Und sicher ist dieses Verfahren gegenüber einem Schriftthume, das die älteste weit sich ergießende und ewige Quelle einfach-erhabener ächter Religiosität ist, das vollberechtigte und das allein berechtigte. Freilich darf es den Gesichtskreis nicht verengen, der die Geschichtsentwickelung der ganzen Menschheit umfassen muß, die liebende Betrachtung darf sich nicht vor der Wahrnehmung verschließen, daß die Anfänge immer innerhalb enger Schranken hervortreten, mit Unvollkommenheiten behaftet sind, dann eine innere Entwickelung vor sich geht, in der aber auch innere Gährungen und äußere Einflüsse bald trübe Bei- Mischungen, bald erstarrte Ueberreste ansetzen, die dann wieder hemmend einwirken. Kurz, die Kritik muß die Ehrerbietung den rechten Weg führen, der spähende Gedanke muß das liebevoll blickende Auge vor Verkennung wahren. Bei Luzzatto leuchtet die Kritik zuweilen mit überraschender Helle hervor, aber er duldet nicht, daß sie seine Lieblinge zu nahe berühre. Früh schon drang er mit tiefem Verstandniß in das Wesen des Koheleth-Buches ein. Die harte, ungefügige, Liefgesunkene Sprache des Buches entzog ihm in L.'s Augen den verklärenden Lichtglanz, er blickte mit einer gewissen Mißachtung auf den Schriftsteller, der sowenig Meister der edlen ihn erfüllenden Sprache war. Er sah nun auch die gedrückte, verzweifelte Stimmung des Mannes, der jeden Aufschwunges, jeden Vertrauens zum Idealen entbehrte; er fand in ihm einen Bekenner des ehernen Naturgesetzes, das alle geistige Anstrengung zertritt und in dem ewigen Einerlei die vergebliche, sich immer neu abmühende Geistes-