Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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6 I. Samuel David Luzzatto. gute Analogieen mit dem Aramaismus, lassen aber den weiteren Blick vermissen, der das ganze Gebiet des Semitismus beherrscht und so in den Grundcharakter aus der Erkenntniß aller einzelnen Zweige genauer einzudringen vermag. Dennoch verdienen seine Bemerkungen, insofern sie das Aramäische heranziehen, größere Beachtung als sie bis jetzt gefunden. Noch in einer seiner letzten Arbeiten, einer kurzen Abhandlung, welche er als Beilage zu der von Fried-!ander und Kohn besorgten Ausgabe von Efodi's Grammatik lieferte, und die freilich mehr Aphorismen als begründete Nachweise bietet, hat er den Gegenstand geistvoll behandelt. Zu einem abschließenden Werke ist er auf diesem Gebiete nicht gekommen. Seine prolegomeni gehen nicht über literar. geschichtliche Betrachtungen hinaus, die nicht sehr tief sind, und seine Grammatik selbst ist in den veröffentlichten Lieferungen nicht über die Elemente hinaus gekommen, die manches gute Material liefern, aber nicht zu einem schärferen Eindringen in das Sprachgesetz anleiten. Hoffentlich wird das Werk aus seinem Nachlasse ergänzt werden. Seine besten Bemerkungen kommen vereinzelt und gelegentlich vor. In seiner Jugend beschäftigte er sich vorzugsweise gerne mit der Abgränzung der Synonyme, wohin ihn Hartwig Weffely's Vorbild — der über- Haupt ein ihm sehr nahe verwandter Geist war und der in Italien von jener Zeit seines Kampfes her für regelmäßige Schulbildung in hoher Achtung stand — besonders hinführen mochte; allein es blieben Jugendarbeiten, die oft zu viel aus einzelnen Stellen deuten wollten. Denn bei solchen Untersuchungen darf nicht übersehen werden, daß der Schriftsteller in der Wahl seines Ausdruckes nicht so scharf abgränzt wie der Volksgeist, welcher zur Schaffung verschiedener Ausdrücke für einen in Nüancirungen verschiedenen Gedanken antreibt, daß der einzelne Schriftsteller zuweilen weniger genau verfährt als das sprachbildende Gesetz. Der philosophische Blick muß den Sprachkenner, zu einer glücklichen Erklärung der Synonyme leiten; L. jedoch geht mehr in die Breite als in die Tiefe. Fast mehr noch leistete er grammatisch und lexikalisch auf dem Gebiete des Aramaismus. Während der Hebraismus genügend bearbeitet ist und nur die Vertiefung der Erkenntniß anzustreben ist, ist der jüdische Aramaismus noch ohne sorgsame Pflege, wie seine Schriftdenkmale selbst uns verwahrlost zugekommen sind. Mit sicherem Blicke, mit gründlicher Erforschung des Sprachgesetzlichen benutzte hier Luzzatto die reichen Mittel, welche