Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 6)
- Language
- German
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I. Samuel David Luzzatto. 5 ihren Gesetzen voll anzueignen, in das Verständniß der in ihr uns erhaltenen Schriftwerke einzudringen, und darum wollte er auch selbst diese Sprache als deren Träger handhaben. So ward er ein gründlicher Grammatiker, der die Feinheiten des hebräischen Wortgefüges und Satzbaues tief erkannte und darzulegen wußte, nach den Mitteln, die ihm zu Gebote standen. Und das waren nicht blos die alten jüdischen Grammatiker und Exegeten nebst dem neuhebräischen Schriftthume, nicht blos die Massorethen mit ihrer Peinlichkeit und auch christliche Schriften mit ihren oft von außen angelegten Maßstäben, sondern auch eine genaue Kenntniß des Aramaismus, die er aus den Thargumim und der thalmudischen Literatur schöpfte und die sich auch allmälig durch Bekanntschaft mit dem Syrischen erweiterte. So ward ihm etymologisch wie grammatisch, insofern er der Vergleichung der semitischen Dialekte Raum gab zur genaueren Erkenntniß des Hebräischen, das Armäische vorzugsweise Führer, während das Arabische, wenn er auch dessen nicht ganz unkundig war, zur Seite liegen blieb. Man wird ihm gewiß beipflichten müssen, wenn er nachdrücklich betonte, daß das Hebräische weit mehr charakteristische Verwandtschaft mit dem Armäischen als mit dem Arabischen habe, daß man daher dessen Sprachbildungen zunächst mit denen des Aramaismus, weniger mit denen des Arabischen zusammenstellen dürfe, da dieses weit eigenartiger und mit einer gewissen luxuriirenden Ausschweifung sich entwickelt hat. Mit den aramäisch redenden Völkern hatte das hebräische auch einen weit lebhafteren und intimeren Verkehr, ihr Einfluß war ein viel mehr überwiegender, so daß das Aramäische nicht blos in späterer Zeit eine völlig den Hebraismus überwältigende Obmacht gewann, sondern auch zu allen Zeiten auf die Anschauung, wie sie sich in den feinsten Sprachnüancirungen ausprägt, bedeutend einwirkte. Dennoch darf das Arabische, als aus gleicher Wurzel hervorgegangen, nicht ignorirt werden; stand es auch nicht in so unmittelbarer Verbindung mit dem Hebräischen, so sind doch beide Geist aus einem Geiste und Fleisch aus demselben Fleische, und gerade aus dieser reicheren und sich in anderer Weise ausgestattenden Entwickelung läßt sich der tiefere, beiden zu Grunde liegende, gemeinsame Denk- und Sprachtrieb erkennen, wenn auch jedes in seiner Eigenthümlichkeit denselben darstellt. Luzzatto blieb jedoch dem Arabischen fern; seine tiefergehenden Untersuchungen, die freilich mehr gelegentlich als zusammenschließend hervortreten, bieten sehr