Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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4 I. Samuel David Luzzatto. klärung dienten, fand man blos Proben gewandter, gereinigter hebräischer Stylistik, deren bessere Handhabung man doch noch immer weiter sich vindicirte. Von einer allgemeinen Bewegung verspürten die dortigen Juden Nichts. Unter solchen Einflüssen ward Luzzatto geboren und wuchs er heran. In dieser Stille reifte L.'s reiches Talent; die Gährung eines mächtigen, weitverbreiteten Geisteslebens mit ihren erschütternden Stürmen ward ihm erspart, doch entbehrte er dadurch auch vielleicht der treibenden Kraft, die von den Bewegungen der Zeit ergriffen, auf dieselben auch entscheidend einwirkt. Luzzatto war mit großen Anlagen ausgerüstet, welche eine hingebende Liebe, redlicher Wahrheitsdrang und unverdrossener Fleiß aufs glücklichste entwickelten, und mannigfach wurden dieselben von seiner äußeren Umgebung begünstigt. Ihn zeichnete besonders ein feines Sprachgefühl, ein Tact des Verständnisses für den einzelnen Satz und das einzelne Ereigniß aus. Er war ein jüdischer Humanist mit ausgebreiteter Gelehrsamkeit, mit gebildetem Geschmacke, mit glücklicher Gabe das Richtige in den Schriftstellern aufzufinden, soweit Sprache und Zusammenhang die Handhabe bieten, daher auch mit feinem, oft geniale... kritischem Tacte׳ gründlich und regelrecht, abhold allen willkürlichen Geistessprüngen, unfähig die Widersprüche in sich zu verschleiern. Was er mit diesen Gaben geleistet, oft unwillkürlich gefördert, ist von großer und umfassender Bedeutung. Luzzatto brachte seine Jugend nicht im Wohlstände zu, nicht regelmäßige Anleitung entwickelte seine Anlagen; er war Autodidact unter Entbehrungen, aber dennoch hatte er nicht mit der dumpfen Feindschaft gegen Bildung zu kämpfen, wie Jünglinge seiner Art und Zeit in Deutschland. Ungehindert nahm er in sich auf, was sich ihm als Geistesnahrung darbot, und verarbeitete es still in sich. Den Namen Luzzatto umschwebte ein gewisser Blüthenduft neuhebräischer Dichtung; Moses Chajim L., Efraim L. waren als solche Dichter gefeiert. Sie waren entferntere Verwandte unseres Samuel David, und auch er rührte frühzeitig die Saiten der Lyra und blieb ihr sein ganzes Leben hindurch treu in mehr dichterischer Empfindung als Schöpferkraft. Doch war sein Dichten der Erguß eines tieferen wissenschaftlichen Dranges; er liebte die hebräische Sprache und schöpfte aus ihrem Borne, weil er sich gern in ihn versenkte. Seine Thätigkeit schloß sich von früh an vorzugsweise in die Aufgabe zusammen, sich die hebräische Sprache nach