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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 3 · p. Seite 247

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
3
Date
1864-01-01
Page
Seite 247 (sequence 85)
Language
German
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247 Aus der Nachtseite der jüdischen Lebens. nifation läßt auch hier anomale Erscheinungen hervortreten. Endlich liefert der Osten Frankreichs, in welchem altes Deutschthnm noch mit der franz. Herrschaft ringt, so daß die Bildung weder des einen, noch des andern Landes voll durchzudringen vermag, ein starkes Contingent von Verbrechern. Solche Erscheinungen sind natürlich. Die Folgen des Mittelalters lasten noch auf uns, selbst da, wo seine Mißbräuche und Unbilden im gegenwärtigen Gesetze gänzlich geschwunden sind. Frankreich hatte eine strebsame, wenn auch nicht hochgebildete jüdische Bevölkerung im Mittelalter gänzlich ausgetrieben; auch aus dem Süden, wo die Juden durch höhere Bildung eine bedeutende Stellung einnahmen, mußten sie weichen, und nur kümmerlich -fristeten einzelne Gemeinden ihr Dasein unter dem zweideutigen Schutze der Päpste, welche dort ein Kirchengebiet besaßen, und mehrerer adliger Herren, welche dem Staatsverbote gegenüber Juden zur Vermehrung ihrer Einkünfte hielten. Als die deutschen Antheile von Frankreich erobert wurden, blieben die Juden daselbst, aber eingeengt und vielfach auf Dörfern zerstreut, wo ihnen der Landbesitz und Ackerbau verwehrt war und nur der Kleinhandel sie nährte. Mit der französischen Revolution änderten sich diese Umstände, die alte östliche und südliche jüdische Bevölkerung ward frei, das mittlere Frankreich erhielt nun auch von allen Gegenden her jüdische Einwanderer. Es ist naturgemäß und nothwendig, daß bei jenen der plötzliche Umschwung, bei diesen die Mischung der verschiedenartigsten Elemente trübe Gährungen hervortreten ließ; zwei Menschenalter, die seitdem vorübergegangen, sind nicht im Stande, schon volle Klärung in die Zustände zu bringen. Noch hat das Judenthum in Frankreich keine Eigenthümlichkeit in seiner Entwickelung; es hängt noch immer von Deutschland ab. Dasselbe Verhältniß ist in England. Auch nach dem stavischen Osten hin muß Deutschland seinen bildenden Einfluß ausdehnen. Dies bat für alle Theile einen großen Nachtheil. Die Juden Deutschlands, in ihren eigenen Zuständen, die bürgerlich noch nicht genügend geordnet sind, mächtig ringend, erliegen fast unter der schweren Aufgabe, die sie, im engen Zusammenhänge mit denen aller übrigen Länder, nach allen Seiten hin zu übernehmen haben; statt ihre Kräfte in sich zu concentriren, von außen unterstützt zu werden, müssen sie dieselben zersplittern uud finden von allen Seiten her Hemmnisse. Die Juden anderer Länder aber kranken daran, daß sie noch nicht zu der eigenen Kraft gelangt sind, aus sich heraus in gesunder Entwickelung vorzuschreiten. Das ist ein böses Mittelalter-

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