Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 3
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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199 das Buch Henvch. Das Buch scheint auch mir, wie bereits von jüdischer Seite bemerkt worden, aus dem Kreise der Essäer, jener unklaren Schwärmer, hervorgegangen zu sein, jener Zurückgezogenen, die weder die ernste Betheiligung an der Gegenwart mit den Saddncäern theilten, noch in den thätigen Kampf gegen deren aristokratische und Priesterliche Ueberhebung eingingen gleich den Pharisäern, sondern die, unzufrieden schmollend, sehnsüchtig den wunderbaren Eintritt einer neuen Zeit erwarteten und sich selbst, wenigstens ihre Hgupter, als Propheten betrachteten, sich in den Umgang mit den Engeln, den Verkehr mit der höheren Geisterwelt hineinphantasirten, die Kenntnißnahme von dieser und die weite Ausspinnung der einzelnen biblischen Andeutungen über dieselben als hohe religiöse Wissenschaft ehrten. Im energischen, praktischen, ja oft der äußerlichen Priesterlichkeit noch durch schroffere Aeußerlichkciten entgegentretenden Pharisäismus ist für ein solch hohles, sich in der äußersten Gedankenarmuth unermüdlich wiederholendes Gerede kein Raum. Für thatenlose Grübler, als welche wir uns die spurlos dahingehenden Essäer zu denken haben, ziemt diese unaufhörliche Betonung der Auferstehung, die Ausmalung jener Zeit, in der auch, farblos genug, der Messias erscheint, das Absehen von allen wirklichen Zuständen und die volle Gleichgültigkeit dagegen, selbst der Mangel an irgend einer Erwähnung gottesdienstlicher, ritualer Bräuche, das Jneinanderschieben der sündig gewordenen Engel und Dämonen mit der Menschenwelt, die abergläubische Betrachtung der Himmelskörper. Während wir in den weitschichtigen Beschreibungen über Auferstehung und Herankunft des Messias blos die unnatürliche Ausweitung der uns schon bekannten Vorstellungen bis zur verzerrenden Carricatur finden, kein Körnlein neuer, bestimmterer Lehre aus diesen trüben Wassern zu holen ist, bieten uns die zwei andern mit Vorliebe behandelten Gegenstände, wenn auch nicht Belehrung, so doch greifbare Anhaltspunkte. Die abenteuerlichen Vorstellungen von den ״gefallenen" Engeln, die buhlerischen Umgang mit den Töchtern der Menschen getrieben und deßhalb in Straförter zur ewigen Verdammniß versetzt worden, setzung 81 Seiten, wozu Anmerkungen von S. 89—331 und eine Einleitung von LXII. enggedruckten Seiten. In dieser findet sich auch die ältere Literatur verzeichnet; von späteren Arbeiten ist mir nur der Aufsatz von Ve lkmar in der Ztschr. der DMG. Bd. XIV. (1860) S. 87—134 und Dillmann's Gegenbemerkungen das.. Bd. XV. (1861) S. 126—131 bekannt.