Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 3
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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196 vi. Einige Worte über lung die׳ Hauptentblößung für alle männlichen Tempelbesucher- und zwar für die Dauer des ganzen Gottesdienstes zum Gesetze erhoben. Blos der Rabbiner und Vorbcter tragen eine zum Ornate gehörende Kopfbedeckung. Unbemerkt darf nicht bleiben, daß unser Tempel, wie alle Synagogen und Kirchen hier, im Winter geheizt ist. Ob und welchen Gebrauch Sic von diesen Mittheilungen für die Oeffentlichkeit machen wollen, überlasse ich Ihnen. New-York, dm 8. März 1860. Dr. S. Adler. VI. Einige Worte über das Luch Henoch. Die Werke der apokalyptischen Literatur sind Schmarozerpflanzen an dem gesunden Baume des Geisteslebens. Sie haben in früherer Zeit schwärmerische Ueberzeugungen, überfliegende Hoffnungen geweckt und genährt, die Idealität edler Sehnsucht durch deren sinnliche Ausprägung aufgczehrt, und heute noch zehren sie die Kräfte begabter Forscher auf, indem sie Gelehrsamkeit und Scharfsinn unnütz an ihnen erschöpfen. Wie sie selbst Zeugnisse einer krankhaften Zeit sind, bekundet, wie mich dünkt, eine angeblich im Dienste der Wissenschast ihnen übermäßig gewidmete Sorgfalt auch die starke Abirrung einer krankhaften Kritik. Diese ״Offenbarungen" offenbaren uns durchaus Nichts; sie enthüllen uns nicht die Zukunft, sie verwirren ihre eigene Gegenwart. Für erstere eröffnen sie ganz vage, allgemein gehaltene, durch ihre Ucberschwänglichkeit nichtssagende Aussichten; diese hüllen sie in dunkle, räthsclhaste Bilderreden, deren Einzelnheiten nur durch andere, bereits anderweitig gesicherte Thatsachcn gedeutet werden können, während dennoch ein Theil rä'thselhaft bleibt, weil die Verfasser kleine, untergeordnete Umstände hervorhoben, welche die Geschichte nicht aufbewahrt hat. Ihnen Zeit und Wissen zuzuwenden, wäre daher sündhafte Verschwendung der edlen, weit besser zu verwerthenden Gottesgabe, wenn nicht alte Schriften der Art doch nach zwei Beziehungen hin Beachtung verdienten. Sie sind uns erstens der Ausdruck der zu ihrer Zeit, wenigstens in ihrem Kreise, Herrschenden Ansichten, und während die Apokalyptiker uns weder als Geschichtsschreiber, noch als Geschichtspropheten irgendwie belehren, stcl-