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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 3 · p. Seite 193

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
3
Date
1864-01-01
Page
Seite 193 (sequence 31)
Language
German
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Ein Gutachten. 193 gen nur ein klares Bewußtsein davon ausgegangen ist. Daher denn der gewaltige Kamps und die erhitzte Gegenwehr, so oft die Macht der Zeit und die Anforderungen des Lebens an diesen äußerlichen Jsolirungsschranken zu rütteln begannen. Die ersten israelitischen Väter, welche ihren Kindern deutsche Namen gaben, wurden als halbe Abtrünnige verschrieen; die Männer, welche sich der reinen deutschen Sprache befleißigten, — verdammt; und diejenigen, welche sogar die Torah in diese Sprache zu übersetzen wagten, — mit dem Banne belegt. Die talmudische Orthodoxie fühlte, daß durch solches Beginnen ihr der Boden unter den Füßen entzogen würde, und kämpfte verzweifelt. Doch das Leben, das von Gott ist und mit der Reform im Bunde steht, bat die Oberhand behalten. In Namen und Sprache unterscheidet sich der Jsraelite längst nicht mehr von den Nationen, deren Glied er geworden ist. Die Kleidung und Tracht hingegen, deren Abzeichen, weil augenfällig und von besonders trennender Kraft, eine religionsgesetzliche Bestimmung geworden ist, hat am längsten Widerstand geleistet, und ließ sich die Jsolirung hierin nur stückweise das Terrain abgewinnen. Viel Zeit hat es erfordert, bis der volle Kinnbart gefallen ist, und eine geraumere Zeit noch, bis ihm sein letztes Denkmal, das Zä'umchen um die Kinnkante, in den Untergang nachfolgte. Im gemeinen Leben haben die jüdischen Frommen lange cs als einen Akt der religiösen Treue angesehen, den Kleiderschnitt nach der Väter Weise zu bewahren — obwohl dies nur eine süße Selbsttäuschung war, da der Väter Weise gar nichts anderes, als die allgemeine Mode ihrer Zeit gewesen ist; indessen es erfüllte seinen Zweck, es kennzeichnete durch die Kleidung den Juden als Juden — und als das Leben drängte und der Verkehr mit der Außenwelt eine Auszeichnung in der Kleidung durchaus nicht mehr gestattete, flüchtete sich die mit religiösem Nimbus umhüllte Kleidertreue in das Gotteshaus: Männer betraten die Synagoge, erst täglich, dann sabbatlich, später nur noch an Festtagen, niemals anders als mit Mantel und Baret bekleidet (siehe Joseph Omez, Tefillah Cap. 3); als die reformirende Zeit dies weggeschafft, blieb noch das Baret unter dem Namen ״breite Haube" für diejenigen verbinlich, welche zur Torah gerufen wurden. Alle diese Herrlichkeiten sind zu Grabe gegangen und in Vergessenheit gerathen. Eins ist übrig geblieben — es ist eben die in Frage stehende Kopfbedeckung beim Gebete. Es ist noch gar nicht lange her, daß auch derjenige Jsrae-

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