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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 3 · p. Seite 191

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
3
Date
1864-01-01
Page
Seite 191 (sequence 29)
Language
German
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Ein Gutachten. 191 es nicht den geringsten Anstand hat, auch im Gebete vor Gott so zu erscheinen. Zwar hat der überall die erschwerende Seite anssuchende Schulchan Aruch diese lichtvolle Aeußeruug des Maimonides ignorirt und statt dessen berichtet (Or. Cb. Cap. 91, 9): ״Einige sagen, es sei unerlaubt, den Gottesnamen mit unbedecktem Haupte anszusprechen, und Einige sagen sogar, man solle es nicht gestatten, die Synagoge entblößten Hauptes zu betreten," und wiederholt diese letzte Auführung Cap. 151, 6. Indessen hat dieses Meinen und Wollen Einiger sich keineswegs des Beifalls der angesehensten rabbinischen Autoritäten zu erfreuen gehabt. Ihn Jarchi (Hamanhig Nr. 45) erklärt es als einen bloßen Gebrauch, nicht unbedeckten Hauptes zu beten. Der sonst die Erschwerung liebende Glossator, Rabbi M. Jserles, erwähnt zu Cap. 282, 3 blos, daß es verboten sei, unbedeckten Hauptes die Torah vorzulesen; ja derselbe Rabbi M. I. in seinen Glossen zu Tur Ln diesem Capitel berichtet, daß es Sitte der französischen Juden sei, die Torah entblößten Hauptes vorzulesen — und der gefeierteste Rabbiner seiner Zeit, Rabbi Sal. Luria, erklärt in seinen Nesponsen (Nr. 72) rundweg, daß kein Verbot existire, Benediktionen, ja sogar das Schema mit unbedecktem Haupte zn sprechen. Hiernach ist es klar, daß die Kopfbedeckung beim Gebete nichts als ein aus dem Orient stammender Gebrauch ist, welcher dort freilich seine volle religiöse Begründung und Rechtfertigung in der allgemeinen Tracht und Sitte hatte, wonach eine Entblößung des Hauptes allerdings eine theilweise Nacktheit war und Ln gleicher Linie stand mit Entblößung der Arme und Kniee u. dgl., bei unserer abendländischen Tracht und Sitte aber die Kopfbedeckung nicht nur aufgehört hat, ein Zeichen der Ehrerbietung zu sein, sondern im Gegentheil einen Mangel an Respekt verräth; daß man daher heute Ln unfern Ländern nicht mehr mit den angeführten rabbinischen Autoritäten das Entblößen des Hauptes beim Gebete blos als gestattet, sondern vielmehr als vom Gefühle der Ehrfurcht vor Gott geboten und der Würde des Gottesdienstes entsprechend erklären muß. Die Sache ist so einfach, klar und für sich selbst redend, daß man es nicht begreifen könnte, wie die Masse der Israeliten dies nicht einsehen mag und selbst die Einsichtsvoller« unter den Männern der Herkömmlichkeit immer noch die Kopfbedeckung beim Gebete als

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