Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 3
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Munk's Antrittsrede. 186 rein sprachlichen Gebietes auch den Charakter der Literatur, den Geist des Volkes und seiner Schriften besprechen, in dem sprachlichen Ausdrucke Nachweisen müssen. -In der That thut Dies auch M. in dem uns vorliegenden Vortrage, und er wird es gewiß auch bei der mehr detaillirten Behandlung seines Gegenstandes nicht unterlassen können. Nur thut er es mit mildem Gewährenlassen der nebenher gehenden Richtungen und Bestrebungen, mit einer gewissen conservativen Kritik. In Frankreich würden'uns die höchst zarten Rücksichten, welche M. zu beobachten hatte und ferner hat, die Pflicht auferlegen, eine Besprechung seines Verfahrens, wie er es in dem einleitenden Vortrage einschlägt, ganz zu unterlassen; außerhalb dieses Landes, in welches das deutsche Wort kaum wie ein schwacher Nachhall eindringt, bindet uns kein solcher Zwang. Andererseits reicht Munk's Ansehen und sein französisches Wort viel weiter hinaus und macht im Gegentheile eine sorgsame Betrachtung seiner dargclegten Ansichten zur Pflicht. Wir rühmen es an ihm in hohem Grade, wenn er ohne alle Uebcr- Hebung den Hebraismus in seiner weltumfassenden Bedeutung würdigt, in seiner Aufgabe, die ganze Menschheit zu umschlingen und sie einer immer weiter sich entwickelnden Zukunft entgegenzuführen, wenn er ihn als eine noch nicht ausgelebte, sondern als eine noch sehr lebensfrische und geistig tief einwirkcnde Macht darstellt. Wir stimmen ihm vollkommen bei, wenn er die Hebräer, die Inden tu ihrem vollen Gegensätze gegen die anderen Semiten, in ihrer diese geistig weit überragenden Höbe nachweist, wenn er davon auch nicht die Araber ausnimmt und es nicht scheut, deren Flittergold als wesenlosen Schein zu bezeichnen gegenüber dem gediegenen edlen Metalle, dem tüchtigen Kerne der Hebräer selbst in der Dichtung. Und wenn er dabei anerkennt, daß bei aller religiösen Idealität, welche die Hebräer unter den Semiten und vor den Indo-Europäern auszeichnet, dieselben dennoch aus sich selbst die allgemeine geistige Schranke der Semiten nicht zu durchbrechen vermochten und an concreter Durcharbeitung des Gedankens in Bürgcrthum und Wissenschaft hinter den Indo-Europäcrn zurückstanden: so ist uns dieses Zugeständniß ein Beweis der Unbefangenheit. Klarer und wahrer hätte mich freilich gedünkt, wenn Munk, wie er den Vorzug des Monotheismus aus den angeblichen Umschlingungen des vagen Collectivbegriffes des Semitismus befreit, wie er das Wahngebilde, das man als religiösen Charakterzug aller semitischen Völker sich geformt, als Schatten abweist, wenn er auch ebenso die wissenschaftliche schöpferische Fähigkeit aus dem schwan-